Buildering: Abenteuer mitten im Großstadt-Dschungel

Du liebst Klettern, aber der nächste Fels ist zu weit weg? Dann wird es Zeit Deine Umgebung mit Buildering neu zu entdecken. Buildering leitet sich von den englischen Begriffen „Building“ (Gebäude) und „Bouldern“ (Felsblock) ab und beschreibt das Klettern an öffentlichen Gebäuden. Buildering wird häufig auch als Fassadenklettern, Gebäudeklettern oder urban climbing bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Im Unterschied zum klassischen Bouldern findet urban climbing an von Menschen geschaffenen Strukturen im urbanen Raum statt. Es verbindet körperliche Herausforderung mit kreativem Entdeckergeist. Wenn Du draußen kletterst willst, brauchst Du Technik, Gespür für Material, Umgebung und Verantwortung. In diesem Artikel erfährst Du, was Buildering ausmacht, welche Ausrüstung Du brauchst und worauf Du beim urbanen Klettern achten solltest. Einen ersten Einblick ins Buildering bietet das folgende Video aus der ARD Mediathek:

Rooftopping vs. Buildering

Im Unterschied zu Rooftopping steht beim Buildering die sportliche Bewegung im Vordergrund. Rooftopping zielt auf das Erreichen großer Höhen ohne Sicherung ab. Oft geht es dabei um spektakuläre Bilder und den Adrenalinkick. Buildering hingegen setzt auf kontrolliertes, strukturbewusstes Klettern an Fassaden, Mauern oder Brücken im urbanen Raum.

Gebäudeklettern statt Kletterhalle

Für viele ist Buildering ein Lebensgefühl, das Freiheit und Abenteuer vereint. Anders als beim traditionellen Klettern ist Buildering oft minimalistisch: Du brauchst keine Seile oder Sicherungen. Du entscheidest selbst, wann, wo und wie Du kletterst. Urbanes Klettern bietet nicht nur Nervenkitzel, sondern auch praktische Vorteile gegenüber Kletterhallen:

  • Unabhängigkeit: Keine festen Öffnungszeiten.
  • Kostenfrei: Kein Eintritt, keine Mitgliedschaft.
  • Direkt vor der Haustür: Ideal für alle Kletterbegeisterte ohne Auto.
  • Kreative Herausforderung: Jede Wand ist anders.
  • Entdeckergeist fördern: Erlebe gewohnte Orte neu.
Mann klettert eine Mauer hoch im Freien
Urbanes Klettern ist kein Sport von gestern! ©Millet

Urban Climbing: Rechtliche Aspekte im Überblick

Wer in der Stadt klettern möchte, sollte nicht nur die Architektur im Blick behalten, sondern auch die Gesetzeslage. Zwar ist Klettern an öffentlichen Gebäuden in Deutschland nicht explizit verboten, dennoch gelten klare Regeln und Einschränkungen. Dabei geht es nicht nur um die persönliche Sicherheit, sondern auch um rechtliche Verantwortung und den respektvollen Umgang mit der Umgebung. Hier ein Überblick, wo urbanes Klettern erlaubt ist und wo Vorsicht geboten ist:

Hier ist Buildering erlaubt:

  • Öffentliche Bauwerke wie Brücken, Mauern oder Unterführungen
  • Orte ohne Gefährdung anderer Personen oder Verkehrsbehinderung

Verboten oder problematisch:

  • Denkmalgeschützte Gebäude
  • Private Grundstücke ohne Erlaubnis
  • Hauptverkehrsstraßen mit erhöhter Ablenkung und Unfallgefahr
  • Gebäude mit empfindlichen Fassaden wie weiße Wände oder Pflanzenbewuchs

Tipp: Prüfe vorher immer, ob das Objekt legal beklettert werden darf. Im Zweifelsfall solltest Du lieber darauf verzichten.

Builderin klettert eine Mauer hoch, darunter steht ein Mann mit Crashpad und sichert sie
Rechtliche Aspekte: Wer draußen unterwegs ist und Buildering betreibt, trägt Verantwortung. ©Millet

Bekannte Builderer: Alain Robert, Christian Benk und Tim Jacobs

Der wohl bekannteste Builderer ist der Franzose Alain Robert, besser bekannt als „French Spider-Man“. Er hat weltweit spektakuläre Gebäude wie das Empire State Building in New York und das Four Seasons Hotel in Hong Kong ohne Sicherung erklommen.

Auch in Deutschland hat sich eine lebendige Buildering-Szene entwickelt. Besonders bekannt ist Christian Benk aus Isny im Allgäu. Er holte bei den ersten Buildering-Weltmeisterschaften 2006 in Köln und 2008 in Essen den Titel und gilt als Pionier des Sports im deutschsprachigen Raum.

Tim Jacobs zählt zu den wichtigsten Stimmen der Szene. Während seines Studiums in Mainz entdeckte er das Buildering für sich. Heute betreibt er eine Buildering-Plattform, hat mehrere Bücher veröffentlicht und dokumentiert urbane Kletterrouten in ganz Deutschland.

Die richtige Ausrüstung fürs urbane Klettern

Buildering erfordert mehr als nur die Wahl des Spots. Die richtige Ausrüstung macht den Unterschied zwischen einem spontanen Abenteuer und einer riskanten Aktion. Hier sind die wichtigsten Dinge, die bei Deinem Urban Climb nützlich sein können:

  • Kletterschuhe: Spezielle Schuhe mit hoher Reibung für optimalen Halt auf rauem Untergrund wie Beton und Backstein.
  • Crashpad: Eine mobile Matte zur Dämpfung von Sprüngen und Stürzen auf harten Böden. Erhöht die Sicherheit bei niedriger Höhe.
  • Chalk und Chalkbag: Der Chalkbag sorgt dafür, dass Chalk jederzeit bequem erreichbar ist. Chalk trocknet feuchte Hände und verbessert die Haftung auf glatten Oberflächen.Ein Muss für bessere Kontrolle beim Griffwechsel. In sensiblen Bereichen oder an hellen Fassaden kann Chalk sichtbare Spuren hinterlassen. Du solltest es daher nur an geeigneten Orten verwenden.
  • Bürste: Ideal zum Reinigen von Griffen und Tritten. Entfernt Staub, Moos oder Schmutz und sorgt für besseren Grip.
  • Kletterkleidung: Bequeme, flexible Kleidung mit robusten Materialien. Bietet Bewegungsfreiheit und Schutz vor Abrieb an Mauern und Fassaden.
  • Finger-Tape: Schützt empfindliche Hautstellen und stabilisiert beanspruchte Gelenke. Hilfreich bei rauem Mauerwerk und intensiven Kletterzügen.
Mann unterstützt Kletterin beim Vorbereiten der Ausrüstung vor dem urban climbing
Auch bei der Kleidung von Buildering heißt es: Saftey first. ©Millet

Tipps & Tricks für Dein sicheres Buildering-Abenteuer

Beim Buildering öffnet sich Dir eine Welt voller unerwarteter Möglichkeiten: Mitten im Herzen Deiner Umgebung. Damit Dein Ausflug ins urbane Klettern sicher und erfolgreich wird, helfen Dir diese praktischen Hinweise:

  • Starte mit Low-Risk-Spots: Teste Deine Skills zuerst an Mauern oder Treppen mit geringer Höhe und stabilem Untergrund. So kannst Du Deine urban climbing Techniken sicher verfeinern.
  • Sichte bei Tageslicht: Plane Deine Kletterstellen bei guter Sicht, damit Du Struktur, mögliche Gefahren und Fluchtwege klar erkennen kannst.
  • Nutze ein Crashpad: Es bietet Schutz bei Sprüngen oder Stürzen aus geringer Höhe.
  • Achte auf Oberfläche und Umgebung: Glatte Fassaden, scharfkantige Metallteile oder rutschige Steine können zur Herausforderung werden. Prüfe jede Wand vorab sorgfältig.
  • Sei diskret und respektvoll: Buildering lebt vom verantwortungsvollen Umgang mit dem Stadtraum. Hinterlasse keinen Müll, beschädige nichts und störe keine Anwohner.
  • Trainiere regelmäßig Fingerkraft und Körperspannung: Starke Finger, Unterarme und eine stabile Rumpfmuskulatur sind essenziell, um auch bei schmalen Griffen und schwierigen Bewegungsabläufen sicher zu bleiben.
  • Erhöhe Deine Sicherheit mit einem Kletterpartner: Auch beim Gebäudeklettern gilt: Safety first. Klettere stets mit einer zuverlässigen Begleitperson, die im Notfall schnell reagieren kann. Ein Partner hilft Dir beim Erkunden, sichert bei riskanteren Passagen und sorgt für zusätzliche Motivation.

Achtung: Beim Buildering wird in der Regel ohne Seil und Sicherung geklettert. Das birgt ein hohes Risiko für Verletzungen. Deshalb gilt: Kenne Deine Grenzen, wähle Deine Spots mit Bedacht und klettere nicht leichtsinnig.

Das wichtigste zu Buildering im Überblick

Buildering ist Deine urbane Antwort auf klassisches Bouldern. Wer mit Köpfchen klettert, die Regeln kennt und seine Umgebung respektiert, kann seine Stadt aus völlig neuen Blickwinkeln erleben. Mit der richtigen Ausrüstung, etwas Know-How und achtsamen Verhalten wird urbanes bouldern zum echten Abenteuer mitten im Großstadt-Dschungel. Also: Raus aus der Halle und rauf auf die Mauer. Teile uns gerne Deine Erfahrung mit dieser alternativen Form des Klettersports in den Kommentaren mit!

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Bergfreundin Marianne

Marianne Scheifl ist in den bayerischen Voralpen aufgewachsen und seit ihrer Kindheit mit der Natur verbunden. Sie liebt Outdoor-Aktivitäten, vom Bergsteigen und Skifahren bis hin zu Trailrunning, Klettern und Bouldern. Zu ihren sportlichen Highlights zählen der Zugspitz Ultratrail, der Karwendelmarsch und der Mountainman. Besonders gerne erkundet sie abgelegene Täler im Karwendel oder die norwegische Wildnis, die sie seit ihrer Kindheit begleitet. Ihr Van ist oft Ausgangspunkt für neue Touren und kleine Auszeiten in der Natur. Aktuell macht sie eine Ausbildung zur Holzbildhauerin, um ihre kreative Seite mit ihrer Liebe zur Natur zu verbinden.

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