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Die sportliche Einlegesohle ist voll im Trend?!

Inhaltsverzeichnis

Blicken wir zurück auf unsere Geschichte und unsere Lauf- und Gehentwicklung stellen wir schnell fest, wann der Mensch die Schuhe erfunden hat. Doch erst in der Zeit des römischen Reichs begannen wir in der Herstellung der Schuhe zwischen rechten und linken Füßen zu unterscheiden und das Schuhwerk individueller anzupassen.

In erster Linie hatten die Schuhe einen schützenden Zweck. Durch die Schuhentwicklung veränderte sich unser Geh- und Laufverhalten über die Jahrhunderte maßgeblich. Schuhe sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie sind ein Zivilisationsobjekt, ob beim Sport oder nur beim kurzen Spaziergang.

Prinzipiell verringert das Tragen von Schuhen, jedoch die Muskelarbeit unserer Füße. Ähnliche Effekte haben auch Einlegesohlen, die wir in unsere Schuhe hineinlegen können. Einlagen ohne medizinische Verordnung versprechen meist einen dämpfenden Effekt, mehr Stabilisierung und eine geringere Blasenbildung.

Wann ergeben sportliche Einlegesohlen Sinn?

Dr. Rainer Biedermann - Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie Innsbruck
Dr. Rainer Biedermann der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie Innsbruck
© Dr. Rainer Biedermann

Dieser Frage möchte ich mit Dr. Rainer Biedermann der Univ. Klinik für Orthopädie und Traumatologie Innsbruck im Detail nachgehen.

Autorin:

Machen wir einen kurzen Exkurs in die Medizin werden vor allem Einlagen verschrieben, wenn es um degenerative Fußerkrankungen geht und der oder die Patientin durch eine federnde Sohle weniger Schmerzen hat und beim Abrollen des Fußes unterstützt wird.

Beispielsweise werden individuelle medizinische Einlagen und Sohlen bei Menschen mit Plattfüßen oder Spreizfüßen verordnet, die starke Schmerzen beim Gehen bekommen. Auch bei Personen mit Rheuma oder Diabetes kommen medizinische Einlagen in Frage.

Dr. Biedermann:

„Patientinnen und Patienten mit degenerativen Fußerkrankungen hilft eine medizinische Einlage, die das Fußgewölbe stützt und vor Überlastungsdrucke schützt. Beispielsweise wird dann ein Polster eingearbeitet, dass die Mittelfußköpfchen anhebt und so ein schmerzfreieres Abrollen ermöglicht.“

Autorin:

Wenn wir jetzt von einem gesunden Fuß ausgehen, der in seiner Beweglichkeit nicht auffällig, keine Funktionsstörungen aufweist und alles so weit schmerzfrei ist, spricht nichts gegen sportliche, konventionelle Einlegesohlen. Die Hersteller locken uns mit vielen Versprechen. Beispielsweise damit, dass ihre Einlagen mehr Stabilität geben. Doch ist das überhaupt möglich Rainer Biedermann?

Dr. Biedermann:

„Einlegsohlen können Stabilität nur bis zu einem gewissen Grad geben. Unsere Füße werden in erster Linie durch unsere Muskulatur und das Fußskelett stabilisiert. Hier herrschen eine enorme Dynamik und so starke Kräfte vor, dass insbesondere beim Laufen Einlagen rasch an ihre Grenzen kommen.“

Autorin:

Ein weiteres Versprechen ist, dass die Einlage eine dämpfende Eigenschaft hat. Hierbei wird auch oft unterschieden zwischen einem hohen und niedrigen Fußgewölbe. Doch wird die Wölbung unseres Fußes maßgeblich durch die Sehnen, Bändern und Muskeln geformt. Inwieweit können diese Einlegesohlen unser Geh- und Laufverhalten abfedern?

Dr. Biedermann:

„Die Sporteinlage als solches macht nichts anderes, als dass sie den Druck verteilt und eine dämpfende Eigenschaft hat. Je nach Sportart muss man sich fragen: Was soll die Einlage erledigen und kann ich es nicht selbst mit der eigenen Muskelkraft erreichen?“

Bergfreundin beim Wandern. Besonders beim Abstieg auf felsigem Untergrund werden die Fußsohlen belastet. Hier können sich dämpfende Einlegesohlen lohnen.
Einlagen können den Auftritt abdämpfen und wärmen. Abhängig von den eigenen Bedürfnissen sollte man zu unterschiedlichen Produkten greifen.

Autorin:

Wiederum sagen manche Firmen voraus, dass ihr Produkt zu einer besseren Körperhaltung führt und wir uns beim Wandern oder Laufen automatisch gesünder bewegen.

Machen wir einen direkten Test: Wenn wir ein kleines Steinchen unter unseren Fuß legen und unser Gewicht draufgeben, merken wir, dass dieses Steinchen durchaus Einfluss auf unser aktuelles Stehen und unsere Körperhaltung hat. Somit können wir die These bestätigen, dass es allein durch unseren Körperaufbau Mechanismen gibt, die von der Fußsohle bis zum Kopf reichen.

Doch dauerhaft, können solche Reize nicht anhalten. So laufen wir oft aus Bequemlichkeit noch länger mit Steinchen in den Schuhen weiter und merken sie weniger deutlich.

Ist diese Behauptung von der gesünderen Körperhaltung vielleicht nur ein Lockmittel zum Kauf?

Dr. Biedermann:

„Natürlich gibt es Kopplungsmechanismen, die sich auf die Körperhaltung auswirken. Beispielsweise hat die Plantarflexion, die Bewegung des Fußes in Richtung Fußsohle, Auswirkungen auf die Kniestreckung. Doch, ob das eine Sohle tut, ist höchst fragwürdig.“

Autorin:

Bergfreundin Hanna beim Dehnen nach dem Trailrun. Einlegesohlen in den Schuhen dämpfen vor allem mehr ab.
Sporteinlagesohlen sollen eine bessere Haltung bewirken. Ob das tatsächlich so funktioniert ist eher umstritten.

Schauen wir in die Studienlage in der Medizin, gibt es keine fundierten wissenschaftlichen Studien, die solche Wirkungen von Einlegesohlen nachweisen.

So werden beispielsweise seit vielen Jahren in der Orthopädietechnik Einlegesohlen verkauft, die mit kleinen Noppen oder Formen, die einer Berglandschaft ähneln, die Füße entlasten sollen. Diese Sohlen versprechen, dass sie die Biomechanik des Körpers durch Impulse gezielt unterstützen und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.

Diese Einlagen nennen sich sensomotorische Einlage oder propriorezeptive Einlage. Als Propriozeption wird die Eigenwahrnehmung unseres Körpers verstanden. Sie lässt uns unsere Lage im Raum wahrnehmen und macht möglich, dass wir beim Schreiben auf der Tastatur alle Tasten und unsere Finger ganz lassen und nicht mit zu viel Kraft oder Druck arbeiten.

So können wir durch die Eigenwahrnehmung, auch genannt Tiefensensibilität, mit geschlossenen Augen einen Schluck Wasser aus einer Flasche trinken. Doch wissenschaftlich erforscht, ist die Propriozeption sehr wenig.

Viele Leistungsportlerinnen und -sportler schärfen ihre Eigenwahrnehmung mit gezielten Übungen und auch wir können sie alle jeden Tag trainieren, doch fraglich bleibt ob Noppen an der Fußsohle unseren Körper ohne die trainierte Eigenwahrnehmung in die richtige Aufrichtung bringen.

Fazit

Schließlich möchten wir euch durch diese Exkurse zwei Dinge an eurer Sportlerherz legen:

  1. Schaut genau hin, welchen Zweck für euch die Einlegesohlen erfüllen sollen und ob nicht durch eine bessere Eigenwahrnehmung und gezieltes Training dieses Ziel ebenso erreicht werden kann.
  2. Macht euch auf zum Physiotherapeuten, zur Laufanalyse oder zur Ärztin, wenn ihr wiederkehrende Schmerzen beim oder nach dem Sport habt, die in den nächsten Tagen nicht selbstständig abklingen.

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Bergfreundin Anna

Mein schönstes Erlebnis war die Gletschertour im Mount Cook Nationalpark in Neuseeland. Sonst freue ich mich immer auf eine warme Hütte nach einer langen Tour!

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