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Hallo liebe Freunde der Flora,

heute erzähle ich euch was über den Enzian. Nein, es gibt nichts zu saufen! Horst-Günther stell bitte die Gläser wieder zurück in den Schrank! Es geht in erster Linie um die Enzianpflanze, nicht um den Schnaps. Diese ist nicht nur ein wichtiges Symbol für alles, was irgendwie mit dem Alpenraum zu tun hat, sondern gebietsweise auch stark bedroht und geschützt, andernorts aber schon fast eine regelrechte Landplage.

Wie, warum und weshalb sich das alles unter einen Hut bringen lässt und was es sonst noch Interessantes über den Enzian zu wissen gibt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Daten und Fakten

Wie so oft, gibt es den einen Enzian eigentlich gar nicht. Alleine im Alpenraum gibt es rund 400 einheimisch Arten, die ein stark unterschiedliches Verbreitungsgebiet haben. Grundsätzlich unterscheidet man beim Enzian zwei grundlegende Gruppen. Es gibt Arten mit niedrigem Wuchs, die kalkhaltige Böden meiden und deutlich höher wachsende Arten, die kalkliebend sind. Je nach Region ist daher der eine oder andere Typ mehrheitlich verbreitet.

Eine schöne Gebirgsstaude

Ganz generell handelt es sich bei allen Enzianarten um Gebirgsstauden, die in Europa vor allem in den Alpen und Pyrenäen, aber auch in Mittelgebirgen wie beispielsweise dem Schwarzwald, vorkommen. In Farbe und Wuchsform unterscheiden sich die Arten mitunter stark. Während wahrscheinlich jeder beim Begriff „Enzian“ eine blaue Blume vor dem geistigen Auge hat, gibt es auch Arten, die gelbe oder rote Blüten haben.

Ich möchte euch daher im Folgenden zwei interessante Vertreter vorstellen: Den typisch blauen Alpen-Enzian und den Gelben Enzian (weil das ist der mit dem Schnaps und so).

Blauer Alpenenzian auf einer Bergalm

Alpen-Enzian (Gentiana alpina)
Gattung: Enziane (Gentiana)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)

Wuchstyp: Staude
Wuchshöhe: bis ca. 8 cm

Blütenfarbe: blau
Blattfarbe: grün

Verbreitungsraum: westliche und mittlere Alpen, Pyrenäen, Sierra Nevada
Standort: kalkmeidend, Höhenlagen von 2000 bis 2600 m

Gelber Enzian mit Bergen im Hintergrund

Gelber Enzian (Gentiana lutea)
Gattung: Enziane (Gentiana)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)

Wuchstyp: Staude
Wuchshöhe: 50 – 150 cm

Blütenfarbe: gelb
Blattfarbe: grün

Verbreitungsraum: Alpen, mittel- und südeuropäische Gebirge, in Deutschland vor allem auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald
Standort: kalkliebend, wächst auf kristallinem Gestein, Weiden-, Block-, und Karflure, verbreitet bis in Höhenlagen von 2500 m

Der Alpen-Enzian ist neben vielen anderen Enzianarten ein Vertreter der kalkmeidenden Pflanzen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur eine vergleichsweise geringe Wuchshöhe erreichen. Darüber hinaus fällt auf, dass die Blätter vergleichsweise klein sind und die Blüte den größten Teil der sichtbaren Pflanze ausmacht. Darüber hinaus entspricht der Alpen-Enzian mit seiner großen, blauen Blüte optisch wahrscheinlich ziemlich genau der Vorstellung des typischen Enzians.

Der Gelbe Enzian hingegen entspricht kaum dieser Vorstellung. Die Pflanzen sind deutlich größer und auch Stängel, Blätter und Blüten haben eine deutlich andere Form. Der Gelbe Enzian ist entgegen dem Alpen-Enzian kalkliebend und somit auch in einem anderen Verbreitungsraum zu finden.

Naturschutz

Das mit dem Enzian und dem Naturschutz ist nicht ganz einfach zu klären. Je nach Gebiet und Art sind einzelne Pflanzen mal mehr, mal weniger geschützt. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass alle Enzianarten im Alpenraum und den angrenzenden Mittelgebirgen einem gewissen Schutz unterliegen und daher von Bergsteigern und Wanderern maximal als Foto mit nach Hause genommen werden dürfen. Wie im einzelnen mit dem Naturschutz der Pflanzen und deren möglicher Nutzung umgegangen wird, fällt in den Zuständigkeitsbereich der jeweiligen Naturschutzbehörde und wird somit stark unterschiedlich gehandhabt.

Österreich

In der Region Salzburg stehen beispielsweise alle großblütigen Arten des Enzians unter vollem Naturschutz, alle kleinblütigen Arten genießen hingegen nur teilweisen Schutz, was das Ernten der Wurzeln oder Pflücken in stark begrenztem Umfang zulässt.

Südtirol

Die Südtiroler Landesverwaltung sieht für den Großteil der in ihrem Zuständigkeitsbereich vorkommenden alpinen Enzianarten keine unmittelbare Gefährdung. Allerdings nennt sie auch besonders seltene Arten, die ohnehin nur einen vergleichsweise geringen Bestand aufweisen und durch eine weitere Beeinträchtigung ihres Habitats verschwinden könnten. Hierzu wurde eine Rote Liste erstellt, die aktuell fünf Enzianarten ausweist. Diese Arten sind besonders geschützt, was im jeweiligen Lebensraum zu Verboten von beispielsweise baulichen Eingriffen, einer Düngung oder Entwässerung des jeweiligen Gebiets geführt hat.

Der Gelbe Enzian
Der Gelbe Enzian ist die Einzige im Schwarzwald heimische Enzianart.

Schwarzwald

Auf dem Feldberg im Schwarzwald ist die einzig vorkommende Enzianart der Gelbe Enzian. Dieser steht dort seit Beginn des 20. Jahrhunderts unter Naturschutz und breitet sich mittlerweile stark aus. Das Problem ist dabei, dass der Gelbe Enzian in diesem Gebiet keine natürlichen Fressfeinde hat. Hierdurch breitet er sich nicht nur auf Weiden stark aus, wo er wiederum von den Kühen verschmäht wird, sondern verdrängt auch andere heimische Arten. Die zuständige Naturschutzbehörde erteilt deshalb einmal im Jahr Sondergenehmigungen, die es einem bestimmten Personenkreis erlaubt, einen Teil der Pflanzen auszugraben und somit die massenhafte Verbreitung einzudämmen.

Verwendung als Nutzpflanze

Wir wollen gar nicht lange drum herum reden: Aus Enzian wird Schnaps gebrannt. Horst-Günther, die Gläser bitte! Beim Enzian handelt es sich um eine Spirituose, die für den Alpenraum sehr typisch ist. Sie wird überwiegend aus den Wurzeln des Gelben Enzians gebrannt und zeichnet sich durch ihren stark aromatischen und bitteren Geschmack aus. (Das ist übrigens die nette Umschreibung. Mir, als nicht versiertem Schnapstrinker, hat er dereinst die Schuhe aus- und die Füße weggezogen.)

Gelber Enzian fürs Schnapsen!

Für das Brennen sind nur wenige Enzianarten geeignet. Vornehmlich kommt hier der Gelbe Enzian zum Einsatz, aber auch der Purpur-Enzian, der Tüpfel-Enzian und der Ostalpen-Enzian finden -in deutlich geringerer Menge- Verwendung. Die Wildsammlung der Pflanzen ist durch den Naturschutz stark eingeschränkt und erfordert, nicht nur aufgrund der Verwechslungsgefahr mit anderen, teilweise hochgiftigen Pflanzen ein hohes Maß an Erfahrung.

100kg Enzianwurz = 4L Schnaps…

Der Gelbe Enzian bildet als Überdauerungsorgan eine kräftige Wurzel (Rhizom). Diese kann bei älteren Pflanzen längen von bis zu einem Meter und die Dicke eines Unterarms erreichen. Nicht selten wurzeln die Pflanzen dabei tief und bilden ein weitverzweigtes Wurzelwerk, was wiederum die Ernte erschwert. Diese Wurzeln sind die Grundlage für den späteren Enzianschnaps. Sie werden im Spätsommer bis Herbst geerntet, nach der Reinigung zerkleinert und als Maische angesetzt. Diese destilliert man daraufhin. Auffällig ist dabei, dass die Wurzel sehr unergiebig ist. Aus 100 kg Wurzeln lassen sich gerade einmal 2,5 Liter reiner Alkohol bzw. rund 4 Liter fertiger Schnaps erzeugen. Das schlägt sich selbstverständlich auch im Preis nieder.

Enzianschnaps ist in der Regel deutlich teuer als ein qualitativ vergleichbarer Obstbrand.

Auch die am Feldberg zu Naturschutzzwecken entnommenen Wurzeln werden übrigens in einer örtlichen Brennerei verwertet.

Der Enzian als Symbol

Kuhglocken mit Enzian im Souvenirladen
Den Enzian findet man auf fast allen Souvenirs im Alpenraum.

Na, wie blüht der Enzian? Klar doch, so blau blau blau!

Der (blaue) Enzian ist, ähnlich wie auch das Edelweiß, ein typisches Symbol für den Alpenraum. Nicht nur, dass er in Volksliedern und Schlagern besungen wird, er kommt auch als bildhafte Darstellung immer wieder zum Einsatz. Die reinblaue Blüte gilt dabei auch als Symbol der Treue. Hierzu habe ich für euch einmal ein paar Beispiele zusammengetragen …

Zahlungsmittel und Briefmarken

Ob Rumänien oder Österreich, der Enzian ziert die jeweils passende Währung. In Rumänien findet man die typisch blaue Enzianpflanze auf dem Ein-Leu-Schein und auch auf dem österreichischen Ein-Cent-Stück ist der Enzian anhand seiner typischen Wuchsform gut zu erkennen.

Wer gern florale Briefe verschickt, kann sich in Sachen Enzian übrigens vertrauensvoll an die Deutsche Post AG wenden. Hier ziert der Enzian eine 5-Euro-Marke, die für den internationalen Briefversand zum Einsatz kommt.

Verpackungen und Etiketten

Auch auf Verpackungen ist der Enzian zu sehen, obwohl er mit manchen Produkten auf den ersten Blick nichts zu tun hat. So ist es wenig verwunderlich, dass eine Enzianpflanze auf den Verpackungen diverser Lebensmittel, wie Käse oder Butter, zu finden ist. Aber auch im Bereich der Kosmetikartikel und Pflegeprodukte taucht der Enzian immer mal wieder zu Illustrationszwecken auf.

Fun-Fakt: Enzianschnaps wird aus den Knollen des Gelben Enzians gewonnen. Da aber die typische blaue Blüte einen deutlich höheren Wiedererkennungswert hat, wird diese zumeist auf Flaschenetiketten abgebildet. Der Gelbe Enzian ist auf dem Etikett vergleichsweise selten vertreten.

Name, Logo und Symbol

Steinrelief mit Enzian, Edelweiß, Vogel und Kreuz
Der Enzian ist als Symbol im Alpenraum sehr häufig anzutreffen.

Zahlreichen Pensionen, Hotels und Restaurants sowie andere Einrichtungen, beispielsweise Kliniken und Altersheimen, leiht der Enzian seinen Namen und ist dabei nicht selten auch im jeweiligen Logo zu finden. Darüber hinaus werden Enzianpflanzen auch auf Postkarten aus dem Alpenraum immer wieder gerne abgebildet.

Überhaupt zieren blaue Enzianpflanzen zahlreiche typische Alpen- Souvenirs. Von Aufnähern über Regenschirme und T-Shirts bis hin zu Tassen, Geschirr und Messern gibt es quasi nichts, worauf nicht auch ein Enzian zu finden ist.

Fazit

Der Enzian ist nicht nur eine schöne Pflanze, die sich durch ihre (oft) blaue Blüte auszeichnet. Es gibt zahlreiche Arten, die aufgrund ihres Aussehens mal mehr, mal weniger als Sinnbild für die Berge stehen. Außerdem dürften blaue Enzianarten neben dem Edelweiß wohl zu den bekanntesten Blumen der Alpen zählen.

Die Gefährdung bzw. der Schutz der Pflanzen steht dabei stark in Abhängigkeit der jeweiligen Art und des Verbreitungsgebiets. Dennoch kann man davon ausgehen, dass jede Enzianart überall unter einem gewissen Schutz steht. Also Finger weg!

Wenige Arten eignen sich auch zur Herstellung von Spirituosen, und können somit auch als Nutzpflanze verwertet werden. In kleinerem Maß kommt der Enzian darüber hinaus auch bei Naturheilmitteln und Kosmetika zum Einsatz.

Wollt ihr einen Enzian sehen, dann seid ihr in aller Regel gut beraten, die Berge aufzusuchen. Alternativ verkaufen auch gut sortierte Gärtnereien Enziane als Zierpflanzen, die am entsprechenden Standort im heimischen Garten gut gedeihen.

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Bergfreundin Lisa K.

Bergfreundin Lisa K.

Kurztext: Ich bin nicht zum Bergsport gekommen, der Bergsport ist zu mir gekommen. Ende der 80er haben mir meine Eltern gezeigt wie man Ski fährt und Ende der 90er habe ich das Klettern im Verein gelernt. Seit meiner Jugend gehören außerdem Ski- und Hochtouren zu meinen festen Bergsportdisziplinen.

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