Tuchmacherweg Titelbild

Tuchmacherweg im Radevormwald: Wandern zwischen Wupper, Industriekultur und Natur

Der Tuchmacherweg als Abschnitt der Bergischen Streifzüge führt auf rund 11 Kilometern von Radevormwald hinunter zur Wuppertalsperre. Ich bin den Weg für euch gegangen und nehme euch mit auf verschlungene Waldpfade, zu einem Wasserfall und in ein Wichteldorf! Ganz nebenbei erfahren wir etwas über die Textilindustrie an der Wupper, die für die Region einst von großer Bedeutung war. Auf geht’s!

Inhaltsverzeichnis

Wanderung auf dem Tuchmacherweg: Alle wichtigen Tourdaten im Überblick

  • Start: Parkplatz am Rathaus, Hohenfuhrstraße 13, 42477 Radevormwald
  • Ziel: Wupperdamm, Am Wallenberg, 42897 Radevormwald
  • Anreise: Mit dem Bus 626 ab Wuppertal-Oberbarmen Bahnhof bis Radevormwald Rathaus
  • Höhenmeter: ca. 370 Höhenmeter
  • Strecke: etwa 11 km
  • Gehzeit: ca. 3 Stunden
  • Einkehrmöglichkeit: Café Wülfing-Museum (Öffnungszeiten beachten)
  • Schwierigkeitsgrad: mittel. Die Anstiege fordern etwas, aber immer nur kurz.
  • Typ: Streckenwanderung
  • Thematische Wanderung: Man bekommt Einblicke in die Geschichte der Textilindustrie.
  • Geeignet für: Wanderer mit Hund; für Familien mit Kinderwagen ungeeignet
  • Ausrüstung: feste Wanderschuhe (idealerweise knöchelhoch) Rucksack, optional Wanderstöcke
  • Beste Jahreszeit für die Wanderung: Frühling, wenn Wald und Wiesen blühen.

Startpunkt des Tuchmacherwegs: Radevormwald

Unsere Wanderung auf dem Tuchmacherweg beginnt auf etwa 400 Metern Höhe im Zentrum von Radevormwald, dem höchstgelegenen Ort im Bergischen Land. Der Name der Stadt geht auf eine „Rodung vor dem Wald“ zurück, die bereits im 6. Jahrhundert entstand und den Grundstein für eine befestigte Siedlung legte.

Als Bergischer Streifzug Nr. 1 ist die Strecke überwiegend gut und in beide Richtungen ausgeschildert. Die markante rote, rechteckige Plakette mit dem Namen „Tuchmacherweg“ und einer großen Ziffer 1 weist Wanderern zuverlässig den Weg. Dennoch kann die Beschilderung im Ortsgebiet teilweise verblasst oder im Wald lückenhaft sein. Daher empfiehlt sich zusätzlich ein GPX-Track zur besseren Orientierung.

Tuchmacherweg Wegweiser
Trotz dieses markanten Wegweisers empfiehlt sich vor allem auf den Waldpassagen ein GPX-Track zur Orientierung.

Vom Ort in die Natur: Hinab ins Flusstal

Die ersten Meter der Wanderung führen über ruhige Nebenstraßen durch Radevormwald. Doch schon bald tauchen wir in die Natur ein: Vorbei am Friedhof geht es in den Wald und über schmale Pfade hinab in ein Flusstal. Die Uelfe, ein Nebenfluss der Wupper, spielte früher eine zentrale Rolle für die regionale Industrie. Auf nur acht Kilometern Länge trieb sie einst mehrere Hammerwerke und Mühlen an.

Freizeit, Natur und Erholung am Uelfebad

Wir erreichen Unterste Mühle, deren historisches Gebäude heute als Ausflugslokal genutzt wird. Direkt daneben liegt der etwa einen Hektar große Stauteich, der ab 1927 als Naturfreibad diente. Der Badebetrieb wurde am Uelfebad längst eingestellt, aber der Stauteich ist heute ein beliebtes Ziel für Wanderer, Familien und Angler. Im Winter verwandelt sich die Wasserfläche bei ausreichender Eisdicke in eine natürliche Eislaufbahn. Ein Steg mit kleinem Pavillon überspannt den nördlichen Teil des Teiches und bietet zu jeder Jahreszeit einen idealen Ort für eine Pause. Das Restaurant Uelfebad lädt an Wochenenden zu herzhafter Küche ein. Wie wäre es mit einer Bergischen Bratkartoffel-Pfanne?

Brücke beim Uefelbad
Vierwaldstätter See oder Bergisches Land? Diese Brücke führt über den Stausee beim Uefelbad.

Wandern im Bergischen Land: Auf und ab durch Wald und Tal

Nach der ersten Rast führt uns der Weg über verschlungene Pfade und einige kurze aber knackige Anstiege durch dichte Wälder. Vorbei an der Siedlung „Im Hagen“ folgen wir schmalen, teils steinigen Pfaden hinab zum Eistringhauser Bach. Am Tag zuvor hatte es geregnet und der Weg war sehr rutschig. Über einen großen, umgestürzten Baum klettern wir, unter einem anderen kriechen wir hindurch. Puh! Nach diesem kleinen Abenteuer kommt die Bank direkt am Bachufer wie gerufen für eine Pause.

Naturerlebnis pur: Wasserfall, Ginster und Panorama

Wir überqueren die Brücke, und der nun wieder ansteigende Pfad führt vorbei an einem kleinen Wasserfall, der von Nahem betrachtet seinen großen Brüdern in nichts nachsteht. Kurz darauf säumen Ginsterfelder den Weg und sorgen besonders im Frühjahr für ein leuchtend kräftiges Gelb. Wenig später ist die letzte Steigung der Tour bereits geschafft! Danach öffnen sich weite Landschaften mit Wiesen und Feldern, die herrliche Ausblicke über das Bergische Land bieten. Ein markanter Orientierungspunkt ist ein einzelner Baum neben einem großen Holzkreuz. Hier biegen wir links ab und beginnen den Abstieg.

Baum mit Holzkreuz
An diesem Baum mit dem großen Holzkreuz daneben biegt man links ab und beginnt den Abstieg.

Historische Wuppertalbahn und Eisenbahnromantik

Nun geht es über schmale Pfade steil bergab. Erst kurz vor Wülfing werden die Wege wieder breiter. Mit Vorsicht überqueren wir die Gleise der historischen Wuppertalbahn. An Wochenenden ist hier gelegentlich eine Museumsbahn unterwegs, die mit nostalgischem Charme an vergangene Zeiten erinnert.

Gleise der Wuppertalbahn
Die Gleise der historischen Wuppertalbahn: Vorsicht beim Überqueren!

Industriekultur erleben: Die Tuchfabrik Wülfing

Ein Highlight des Tuchmacherwegs war für mich die ehemalige Tuchfabrik Wülfing in Dahlerau. Ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Der Aufstieg der Textilindustrie in dieser Region ist eng mit den Webern aus Köln verbunden. Aufgrund von Konflikten mit den dortigen Patriziern verließen viele von ihnen ihre Heimat und brachten ihr wertvolles Wissen hierher an die Wupper.

Gegründet 1674 in Lennep, siedelte die Johann Wülfing & Sohn GmbH im 19. Jahrhundert zum neuen Standort hier in Dahlerau über. Wege aus Natursteinpflaster geleiten uns ins Herz der Siedlung.

Das Wülfing-Museum: Technikgeschichte hautnah erleben

Die hochwertigen Stoffe für Damen- und Herren-Oberbekleidung fanden über Jahrhunderte hinweg bis nach Amerika höchste Anerkennung. Doch in den 1990er Jahren musste sich der Standort Wülfing dem internationalen Wettbewerb geschlagen geben. Eindrucksvolle Gebäude und Gewerke erzählen bis heute von der einst florierenden Textilindustrie entlang der Wupper.

Das mächtige Fabrikgebäude beherbergt die größte Dampfmaschine des Bergischen Landes sowie mehrere alte, noch funktionstüchtige Webstühle. All dies lässt sich im Rahmen des Wülfing-Museums gegen einen kleinen Obolus besichtigen. Das Museumscafé lädt ein zu einer Rast bei kleinen Erfrischungen. Ich habe mich auf eine Bank vor dem Museum gesetzt und fühlte mich sofort zurückversetzt in eine Zeit, als hier riesige Bahnen von Stoffen gewebt und reger Handel betrieben wurde. Die ehemaligen Fabrikgebäude sind heute restauriert und werden für Gewerbe und Dienstleistungen genutzt.

Wülfingsmuseum auf dem Tuchmacherweg
Im Wülfingmuseum kann man die Geschichte der Textilindustrie entlang der Wupper hautnah erleben.

Die Kinderwagen-Chaussee: Entspanntes Wandern entlang der Wupper

Vor dem Bau der Eisenbahn war eine breite Straße entlang der Wupper die wichtigste Verkehrsverbindung der Region. Da der Fluss selbst nicht schiffbar ist, spielte diese Route eine entscheidende Rolle. Mit dem Ausbau der Bahn verlor die Straße an Bedeutung und entwickelte sich zu einem beliebten Spazierweg. Aufgrund ihrer guten Befahrbarkeit erhielt sie den Namen „Kinderwagen-Chaussee“. Infotafeln entlang des Weges vermitteln spannende Details zur Geschichte, etwa zu ehemaligen Stauanlagen oder einem historischen Steinbruch.

Bahnhof Radevormwald-Dahlhausen: Historische Züge und Vereinsarbeit

Seit Wülfing sind die Gleise der Wuppertalbahn unser Begleiter. Die insgesamt 16 km lange, noch betriebsbereite Teilstrecke zwischen Wuppertal-Oberbarmen und Radevormwald-Dahlhausen wird von einem gemeinnützigen Verein unterhalten. Zu besonderen Anlässen finden Ausflugsfahrten in historischen Sonderzügen statt: So bildet die jährliche Fahrt zur Burgweihnacht auf Burg Satzvey in der Eifel den Höhepunkt des Eisenbahnjahres.

Nach einigen weiteren Kilometern erreichen wir den denkmalgeschützten Bahnhof Radevormwald-Dahlhausen aus dem späten 19. Jahrhundert. Ehrenamtlich Engagierte pflegen und restaurieren mit viel Einsatz und Herzblut historische Lokomotiven und Wagen. Auf den Bahnhofsgleisen stehen einige der alten Fahrzeuge, die auf frischen Glanz hoffen.

Die alten Formsignale verabschieden uns und wir folgen unserem Weg, den Gleisen und der Wupper.

Wagen der Wuppertalbahn
Ehrenamtlich Engagierte pflegen und restaurieren historische Lokomotiven und Wagen der Wuppertalbahn.

Wichtelpfad im Dahlhauser Wald: Natur und Fantasie

Über breite Wege nun oberhalb des Flusses gelangen wir zur Stauanlage Dahlhausen, die 1921 zur Erzeugung von Wasserkraft angelegt wurde. Wehr- und Turbinenhaus sehen wir am anderen Ufer. Vorbei am Ausgleichsweiher verjüngt sich der Weg, Industrie und Ortschaften liegen inzwischen weit hinter uns. Hier, tief im Dahlhauser Wald, haben kleine Wesen ihre neue Heimat gefunden. Ein Bürgerverein hat mit viel Engagement und Herzblut insgesamt 15 zauberhafte Behausungen entlang des 2 Kilometer langen Pfades eingerichtet. Wir haben 13 davon entdecken können …

Wichtelwohnung im Dahlhauser Wald
Im Dahlhauser Wald „wohnen“ kleine Wesen in 15 Behausungen wie dieser.

Endspurt zur Wuppertalsperre

In Wilhelmstal endet der Waldpfad, und der letzte Kilometer führt über eine asphaltierte Straße. Alternativ könnten Waldwege genutzt werden, doch der ausgeschilderte Weg bleibt die einfachste Option. Schließlich erreichen wir den Wupperdamm und die Wuppertalsperre, den Endpunkt unserer Wanderung.

Die Wuppertalsperre: Ziel erreicht

Die in den 1980er Jahren errichtete Talsperre dient der Regulierung des Wasserhaushalts und dem Hochwasserschutz. Gute 40 Meter geht es hier linker Hand in die Tiefe, dorthin, wo wir hergekommen sind. Auf der anderen Seite breitet sich der Stausee mit einer Fläche von rund 225 Hektar aus. Eine Brücke überspannt den See, auf ihr die Landstraße. Nach rund 11 km Wegstrecke, 370 Höhenmetern abwärts und auch einigen Hundert Höhenmetern aufwärts haben wir unser Ziel, den Damm der Wuppertalsperre erreicht!

Rückweg und Anbindung

Von der Haltestelle Wupperdamm fährt regelmäßig der Bus 671 in rund 15 Minuten zurück nach Radevormwald. Unter der Woche verkehrt er halbstündlich, am Wochenende stündlich. Einen Parkplatz gibt es hier ebenfalls, so dass ihr euer Auto abstellen und mit dem Bus zum Startpunkt fahren könnt.

Wer sich noch ein Stück länger auf die Spuren der Tuchmacher begeben möchte, kann den Bergischen Streifzug Nr. 2 als Rückweg wählen: Über rund 9 km führt dieses südliche Teilstück des Wald-Wasser-Wolle-Weges zurück nach Radevormwald. Der direkte Rückweg verläuft gut 5 km auf einem separaten Streifen entlang der Landstraße.

Mein Fazit: Warum sich der Tuchmacherweg lohnt

Den Tuchmacherweg habe ich als eine eher kurze aber vielseitige Wanderung im Bergischen Land erlebt. Die Strecke hat mich im Wechsel durch dichte Wälder und an weiten Feldern vorbeigeführt, so dass es nie langweilig wurde. Von Waldwegen über verschlungene Pfade bis zu Asphaltabschnitten war alles dabei. Gleichzeitig habe ich viel über die spannende Geschichte der Textilindustrie an der Wupper erfahren. Wer eine abwechslungsreiche Wanderung mit kulturellem Mehrwert sucht, findet im Tuchmacherweg eine perfekte Tour.

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Bergfreund Ralf

Ralf Bußmann ist freier Texter im Outdoor-Bereich mit Schwerpunkt Wandern. Am liebsten erkundet er die Hügel und Trails von Nordrhein-Westfalen und dem Sauerland – manchmal begleitet von kleinen Wandergruppen auf seinen Lieblingsrouten. Für schnelle Einheiten tauscht er die Wanderschuhe gegen Trailrunning-Schuhe, und Crossfit sowie Krafttraining sorgen dafür, dass die Kondition für lange Tage draußen stimmt.

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