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Gehören Hexentrics zur Kletter-Steinzeit?

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In der Tat sind die guten alten Hexen, Hexentrics, Hexagonalen Stopper oder wie auch immer man sie nennen möchte, ein wenig in die Jahre gekommen. Das letzte Mal, dass ich Hexentrics im Einsatz gesehen habe, war im Südtirol bei einem weit über 60jährigen Bergsteiger tschechischer Herkunft. Habe mich ein bisschen mit ihm über die Dinger unterhalten und er schwörte drauf. Grund genug, die Hexentrics einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Unterschiede zwischen den Modellen

Grundsätzlich gibt es zwei wesentliche Unterschiede bei den Hexentrics verschiedener Hersteller: Drahtkabel oder Textilschlingen. Bei Klemmkeilen sind die Drahtkabel das Maß der Dinge, bei Hexentrics ist die Entscheidung mehr oder weniger eine Geschmacksfrage. Die einen sagen so, die anderen sagen so.

Kabel haben den Vorteil im Notfall ein kleines, aber entscheidendes bisschen höher gelegt werden zu können – der Clipstick zum Legen der Zwischensicherung quasi. Sie lassen sich auch in tiefen Rissen besser versenken und leichter wieder aus tiefen Rissen herausfriemeln.

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In jeder Größe ein hilfreiches Sicherungsmittel: das Wired Hexentrics von Black Diamond

Schlingen lassen sich besser über Kanten legen und wiegen ein ganz klein bisschen weniger. Außerdem bieten manche Modelle die Option verlängerbarer Schlingen. Ähnlich wie bei den DMM Dragon Cams lassen sich so die Hexentrics mit einem kurzen Zug an einem Strang auf die doppelte Länge ausziehen. Das begradigt den Seilverlauf, bietet weniger Seilreibung und reduziert die Gefahr, dass die Hexen durch die Seilbewegung aus ihrem Placement herausgewackelt werden. Außerdem benötigt man so weniger Expressen zum Verlängern und das spart wiederum Gewicht am Gurt.

Kleinere Hexentrics (Durchmesser <20 mm) sind in der Regel massiv, während die größeren ein Hohlprofil aufweisen. Das hat den einfachen Grund, dass so deutlich an Gewicht gespart werden kann. Diesem Umstand verdienen die großen Hexentrics übrigens ihren Beinahmen. Sie werden auch als Kuhglocken bezeichnet. Dazu später mehr.

Platzierungsmöglichkeiten, Vorteile und Grenzen

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Gesetzter Klemmkeil in einem Felsspalt

Hexen eignen sich besonders gut für den Einsatz in Rissen, die für normale Klemmkeile zu breit sind. Durch die Ausnutzung des Drehmoments kann man bei geschickter Platzierung viele Hexentric-Modelle auch als “semi”-aktive Sicherungsmittel nutzen.

Bei normalem Legen arbeiten sie im Endeffekt wie zu groß geratene Klemmkeile und tun auch genau das – sie klemmen passiv vor sich hin. Sie lassen sich wahlweise seitwärts oder frontal (für eine maximle Rissbreite) legen, wobei die frontalen Placements meist instabiler sind.

Selbstverständlich kann man in breiteren Rissen auch gut mit Friends/Cams arbeiten und wird dies in parallelen Granitrissen des leichteren Handlings wegen auch tun. Trotzdem haben die Hexen einige Vorteile gegenüber aktiven Klemmgeräten:

  • ein Hexentric mit gleicher Rissbreiten-Abdeckung wiegt weniger als ein vergleichbarer Cam.
  • der Preis ist unschlagbar. Kein Cam der Welt ist günstiger als ein vergleichbar großer Hexentric. Beim Abseilen wird man daher lieber einen Hexentric zurück lassen als einen sündhaft teuren Cam.
  • sie sind absolut simpel aufgebaut. Im Endeffekt besteht eine Hexe aus zwei Teilen – der Schlinge und dem hexagonalen Aluminiumkopf. Mehr ist da nicht und mehr kann auch nicht kaputt gehen. Simple Technik, K.I.S.S. Prinzip

Klar gibt es auch eine ganze Reihe von Nachteilen, nichts ist perfekt! Generelle Probleme von Hexen sind:

  • die Lärmemission, wie man das heute so schön nennt. Die Teile am Klettergurt machen einen Lärm wie eine Kuhherde beim Almabtrieb.
  • die Handhabung ist natürlich weniger bequem als die eines Cams und das Legen geht auch langsamer vonstatten.
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Um die passende Größe und Form zu finden, sollte immer ein Set mit verschiedenen Größen mit am Klettergurt hängen.

Wichtiger Hinweis zum Schluss: Viel Spaß beim Klettern mit eigener Absicherung. Das Erlebnis ist ein komplett anderes als das „konsumieren“ von Bohrhaken-Routen (das hier nicht schlecht geredet werden soll!).

Es ist aber von entscheidender Bedeutung, sich selbst und seine Kenntnisse ehrlich und reflektiert einzuschätzen. Kein Ratgeber ersetzt das ausgiebige Üben mit dem Material und die ersten Versuche beim Legen von Zwischensicherungen sollten immer von einem erfahrenen Kletterer beurteilt werden.

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Bergfreund Philip Kunz

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Bisher keine Kommentare

  1. Zu bemerken ist, daß die Hexen im Belastungsfall durch ihre größere Auflagefläche, eine wesentliche geringere Sprengwirkung entwickeln. Gerade im spröden Sandstein, ist das nicht zu vernachlässigen!

  2. Ich finde Tricams auch super, in den kleinen Größén unschlagbar.

    Aber ein anderer Punkt fehlt:
    Hex sind beim Mixed Klettern, d.h. wenn Eis und Schnee dazukommen (–> z.B. Schottland) viel zuverlässiger (wenn sie sitzen) als Cams und werden da auch massiv eingesetzt.

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