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THE HIKE WITHIN – Der Appalachian Trail in den USA

Inhaltsverzeichnis

Der Appalachian Trail (AT) schlängelt sich auf einer Länge von 3520 km durch die Wildnis von 14 US-Bundesstaaten vom Springer Mountain in Georgia bis zum Mount Katahdin in Maine. Der AT ist der längste Wanderweg der Welt. Über 3 Millionen Besucher bewandern jährlich den Trail, bewundern seine Schönheit und stellen sich seiner Herausforderung.

Vom äußersten Nord-Osten der USA bis nach Georgia führt die Route

Der AT wurde 1937 fertig gestellt und diente den Städten der Ostküste ursprünglich als Naherholungsgebiet. Hier konnten Stadtbewohner mit der Natur in Kontakt kommen. Im Laufe der Zeit wurde er zu weit mehr als einem Erholungsgebiet und ist heute Teil des US-Nationalparksystems. Die Appalachian Trail Conservancy (ATC) sorgt dafür, dass der Wanderweg und die umliegenden Gebiete für künftige Generationen erhalten bleiben. Mit Spenden und einer von Freiwilligen geführten Organisation wird der Weg ständig instand gehalten.

Meine Gedankenwanderung

Spektakuläre Aussicht von Mount Katahdin
Spektakuläre Aussicht von Mount Katahdin

Mit 13 Jahren war ich zum ersten Mal auf dem Appalachian Trail unterwegs. Die ersten paar Stunden waren eine echte Herausforderung. Die Tasche, die für die anstehende 10-Tages-Tour gepackt war, lastete schwer auf meinen Schultern und ich fragte mich, auf was ich mich denn hierbei eingelassen hatte!? Schon die ersten 15 Minuten fühlten sich wie eine Stunde an und die Beine wurden bereits schwach. Die Sonne brannte auf den Wald herab, die Luft war dick. Ich konnte die Kiefern und den frischen Schlamm an den Baumwurzeln riechen.

Nach ein paar Tagen schien die Stadt so weit weg zu sein. Die Gerüche, die frische Brise, die Sonne durch die Blätter, das Hämmern und Bohren der Spechte, das sanfte Fließen des Wassers, die Äste, die unter meinen Schritten knacken – alles begann Sinn zu ergeben, und ich spürte, wie sich mein innerer Rhythmus verlangsamte. Ich hatte Raum zum Nachdenken und Reflektieren.

Meine erste Wanderung auf dem AT wurde vom Tekakwitha Summer Camp in Maine organisiert. Diese Tour, gemeinsam mit 10 anderen Mädchen, veränderte mein Leben und prägte meine Teenager-Seele zutiefst. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich für 10 Tage ohne Zivilisation, Computer, Telefon oder den üblichen Komfort auskommen. Bei so einer Erfahrung lernt man sich ganz neu kennen.

Das Schöne daran ist, je tiefer man in den Wald kommt und je länger man vom üblichen Luxus entfernt ist, desto weniger Komfort braucht man. Je leichter das Gepäck, desto mehr bist du mit dir selbst verbunden. Man lernt, auszuharren, demütig vor der Natur zu sein, nachzusinnen und zufrieden zu sein. Mit jedem Schritt findet man mehr zu sich selbst. Man lernt anderen zu helfen, andere Wanderer und vor allem die Natur zu respektieren.

Gegenüber der Kraft der Natur kommt man sich manchmal schrecklich klein vor. Wenn etwas passiert, kann man Stunden oder sogar Tage von möglichen Helfern entfernt sein, daher sind Solidarität und Gemeinschaftsgefühl auf einer solchen Tour besonders stark und auch irgendwie tröstlich.

Die Reise gefiel mir so gut, dass ich in meinen Teenagerjahren noch drei weitere Male für längere Wanderungen zurückkehrte. Weitere 10 Tage, dann 14, dann 17 Tage (mit Abschluss auf dem Gipfel des Mount Katahdin). Insgesamt habe ich den gesamten Bundesstaat Maine durchwandert, wo einige der anspruchsvollsten Abschnitte des Appalachian Trails zu finden sind. Das sind 282 Meilen bzw. 455 km – etwas, worauf ich stolz sein kann.

Damals habe ich mir geschworen, jedes Jahr zum AT zurückzukehren. Aber wie das Leben so spielt, verliert man allzu oft die Träume der Kindheit aus den Augen. Sollte ich es doch mal schaffen, dann werde ich wohl den kanadischen Abschnitt in Angriff nehmen. Der Appalachian Trail setzt sich nämlich in Ostkanada als International Appalachian Trail (IAT) fort. Hier reicht er vom Mount Katahdin bis Belle Isle in Nordneufundland am Atlantik.

Die Durchwanderung

Es ist unmöglich, über den AT zu sprechen, ohne das Thema “Thru-Hiking” zu erwähnen – die Durchwanderung des gesamten AT in unter einem Jahr( wobei die meisten Wanderer 5 bis 7 Monate benötigen). Die Durchwanderung kann in einem Zug oder in Abschnitten abgeschlossen werden. Das ATC führt seit 1937 Aufzeichnungen über Durchwanderungen. Bis heute haben schätzungsweise 22 000 Wanderer diese Durchwanderung unternommen und sich beim ATC registriert.

Die erste öffentliche Durchwanderung wurde in 124 Tagen vom Kriegsveteranen Earl Shaffer durchgeführt. Er sah im Appalachian Trail eine Möglichkeit, sich vom Krieg zu erholen und begann seine Wanderung im April 1948, um sich seine Kriegserfahrungen aus dem Leib zu laufen.

Die erste weibliche Wanderin war Emma Rowena Gatewood, eine 67 Jahre alte Großmutter aus Ohio. Sie war auch die erste Person, die den AT dreimal durchwanderte. Ihr Ruhm trug mit dazu bei, die Aufmerksamkeit und das Interesse für den Erhalt des AT zu wecken.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Während meinen eigenen beschaulichen Wanderungen bin ich ebenfalls einigen Wanderern begegnet, die sich die gesamte Länge als Ziel gesetzt haben. Ich hatte nie den Ehrgeiz dieser Wanderer, aber ich war immer zutiefst beeindruckt von der Leistung, der Entschlossenheit und dem Art, monatelang in die Wildnis einzutauchen.

Abgesehen von der offensichtlichen körperlichen und technischen Herausforderung ist es auch eine psychische Herausforderung. Jeden Tag muss man die Motivation und Kraft finden weiter zu gehen. Manche verrückte Wanderer beschreiten den gesamten Weg nur mit einem Duschvorhang und Turnschuhen (wovon wir tunlichst abraten) oder nur mit einer Decke und ohne Zelt (wovon wir auch abraten). Wo ein Wille, da ein Weg!

Mit der ausreichenden Motivation kannst du dich den 3 000 Menschen anschließen, die jedes Jahr die Wanderung antreten. Aber die Abbruchrate ist hoch. Nur einer von vier Wanderern schafft es tatsächlich, die volle Strecke zu vollenden! Alles was du brauchst, sind eine gewisse körperliche Fitness und 5-7 Monate Zeit für diese lebensverändernde Erfahrung!

Indian Summer auf dem Appalachian Trail
Die Aussicht in den Appalachen regt zum Nachdenken und zur Besinnung an.

Sich orientieren

Um den Weg entlang des Trails, durch den Wald, bergauf und bergab, zu Schutzhütten oder zu einer Wasserstelle zu finden, folgt man den weißen und blauen Markierungen entlang des Weges. Unabhängig von der Tourlänge dienen diese 6 cm langen und 2 cm breiten Farbmarkierungen der Orientierung entlang des Weges. Die Markierungen werden alle paar Jahre von einem engagierten Team von Freiwilligen an Bäumen, Pfosten und Felsen erneuert.

Weiße Markierungen kennzeichnen den Hauptweg. Davon gibt es in etwa 165 000 Stück. So hangelt man sich von einer Markierung zur nächsten. Zwei Markierungen an einem Baum, weißen auf eine scharfe Kurve hin.

Weiße Markierungen

AT-Puristen oder “White-Blazes” wandern an jeder einzelnen weißen Markierung auf dem Weg entlang und kehren immer an die letzte zurück, wenn sie den Weg aus irgendeinem Grund verlassen haben. Bei einer Versorgungsstation oder einem medizinischen Notfall, kehren sie genau an dieselbe Stelle zurück, bevor sie ihren Weg fortsetzen. Das ATC hat sogar eine weiße Markierung auf die Kennebec River Fähre gemalt, um sie als offizielle Route zu kennzeichnen.

Blaue Markierungen

Die blau markierten Pfade zweigen vom AT ab, um zu einem Aussichtspunkt, einem Campingplatz, einem Unterstand oder einer Wasserquelle zu gelangen. Sie können auch eine Alternativroute, eine Abkürzung oder einen Weg zur Vermeidung eines steilen Anstiegs anzeigen. Abkürzungen und Alternativrouten in Blau sind für Puristen ein No-Go.

Tatsächlich herrscht unter Wanderern eine anhaltende Debatte, ob die Verwendung von blauen Strecken eine Durchwanderung des AT nicht disqualifiziert.

Gelbe Markierungen

Und was bedeuten die gelben Markierungen? Diese beziehen sich auf die gelbe Straßenmarkierung in den USA und Kanada. Yellow-blazes wandern nicht die komplette Strecke sondern nutzen für einige Abschnitte das Auto beziehungsweise trampen. Klingt nach einer bequemen Schummelei, lässt sich aber teilweise nicht umgehen, wenn etwa Waldbrände herrschen oder nach einem medizinischen Zwischenfall zum Rest der Gruppe aufgeschlossen werden soll.

Entlang des Weges gibt es immer wieder Unterstände und Schutzhütten. Diese einfachen Konstruktionen mit drei Wänden und Dach dienen Wanderern als Nachtquartier. Einige haben auch Möglichkeiten zur bärensicheren Nahrungsaufbewahrung, sodass man sogar halbwegs ungestört die Nacht verbringen kann.

In solchen Schutzhütten findet sich häufig auch ein Gästebuch, in dem man die Erfahrungen vergangener Abenteurer nachlesen kann. Auch ich habe immer gerne eine Nachricht an die nächsten Gäste hinterlassen.

Eine weiße Markierung auf einem Holzpfosten kennzeichnet den Appalachian Trail.
Weiße Markierungen kennzeichnen den Appalachian Trail. Blaue Markierungen kennzeichnen Aussichtspunkte, Campingplätze oder Umwege.

Wildtiere

Respektvoller Umgang mit der Natur ist das A und O. Auf dem AT bist du zu Gast in der Tierwelt. Hier ist auch Vorsicht geboten. Wildtiere sind oft groß und potenziell gefährlich.

Im Folgenden findest du eine kurze, unvollständige Liste der auf dem Appalachian Trail heimischen Tiere:

  • Schwarzbären
  • Kojoten
  • Füchse
  • Elche
  • Hirsche
  • Eichhörnchen
  • Vögel
  • Schlangen
  • Gottesanbeterinnen

Neben einem riesigen Elch bin ich auf meiner letzten Tour auf dem AT in der Abenddämmerung über einen Bären “gestolpert”. In so einem Moment sollte man nicht vergessen, was man über Bären und den sicheren Umgang in so einer Situation gelernt hat. Doch mich überkamen mein Überlebensinstinkte und ich habe das getan, was man nicht tun sollte: Instinkt und Angst übernahmen bei mir die Oberhand. Ich schwöre, ich bin noch nie in meinem Leben so schnell gerannt, als beim Anblick dieser beiden großen Augen, die mich im Wald anstarrten. Ich bin einfach losgerannt, habe geschrien und meine Notrufpfeife völlig vergessen. Definitiv nicht das Klügste, aber auch nach Jahren noch eine eindrückliche Erinnerung!

Ein Schwarzbär in der Nähe des Appalachian Trail in Tennessee
Schwarzbären sind in der Regel eher neugierig als gefährlich. Dennoch ist es nie eine schlechte Idee, Abstand zu halten.

Appalachian Trail Schnupperkurs

Eine kurze Wanderung

Natürlich kann man auf dem AT auch kurze Wanderungen unternehmen. Einige Abschnitte, die sich in der Nähe von Städten oder Dörfern befinden, sind einfach zu erreichen für kurze Wanderungen oder einfache Ausflüge.

Ein Tagestrip

Einen Vorgeschmack auf den AT kann man zum Beispiel bei einem Tagesausflug zum Mount Katahdin im Baxter State Park bekommen. Die Rundtour dauert etwa 8-12 Stunden und ist auch für Anfänger geeignet, wenn sie den Saddle Trail nehmen. Einfacher Aufstieg und schöne Aussichten.

Um die Tour etwas aufzupeppen kann man sich hier auch für den berühmten Cathedral Trail entscheiden. Körperlich ist der zwar deutlich härter (10 h +) aber die Aussicht ist spektakulär und wer es gerne anstrengend mag ist hier richtig. Der Mount Katahdin ist für viele Wanderer der Höhepunkt einer wochen- oder sogar monatelangen Wanderung und hat einen besonderen Charme.

Mehrtagestour

Ein weiterer schöner Wanderweg: Der Springer Mountain in Georgia eignet sich perfekt für eine Frühlingswanderung, wenn das Wetter im Süden bereits warm ist. Es handelt sich um eine achttägige Wanderung im Norden Georgias und im Süden North Carolinas. Ganz in der Nähe befindet sich der Benton MacKaye Trail, der ursprüngliche AT-Wanderweg.

Es gibt Millionen von Möglichkeiten, sich der Herausforderung des Appalachian Trails zu nähern. Für jeden Geschmack gibt es auf dem längsten Wanderweg der Welt einen Abschnitt.

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Bergfreundin Sarah

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