Wildspitze

Die Wildspitze 

Die Wildspitze ist mit 3.768 Metern der höchste Gipfel Nordtirols und zugleich der höchste Berg der Ötztaler Alpen. Diese kleine aber feine Unterscheidung ist wichtig, denn der höchste Gipfel Gesamttirols liegt nicht in Österreich, sondern auf italienischem Staatsgebiet: der 3.905 m hohe Ortler

Inhaltsverzeichnis

Aber auch darüber hinaus hat die Wildspitze noch die ein oder andere Eigenheit: Seit 1933 ziert den Südtgipfel ein mächtiges Gipfelkreuz. Noch zu Zeiten der Erstbesteiger war der Nordgipfel der höchste Punkt, durch das Abschmelzen des Gletschers hat nun der felsige Südgipfel die Ehre und trägt den Gipfelkreuz-Schmuck zu Recht.

Eine Besteigung der Wildspitze gilt als relativ einfache Hochtour. Trotzdem bietet sie alles, was eine hochalpine Gipfelbesteigung ausmacht: wilde Gletscher, kombiniertes Gelände, leichte Kletterei, einen exponierten Gipfelgrat sowie eine fantastische Aussicht. Die Klassifizierung „Einfach“ bezieht sich auf die rein technischen Schwierigkeiten, die in Zahlen ausgedrückt nicht dramatisch klingen (aber trotzdem einiges an Hochotourenerfahrung fordern): im Fels bis II (am Gipfelaufbau), im Firn und Eis bis 40° (am Zustieg zum Mitterkarjoch) und Klettersteig bis C (im Aufstieg zum Mitterkarjoch). Diese Schwierigkeitsangaben beziehen sich auf die Hauptanstiegsroute von der Breslauer Hütte.  

Schneebedeckte Landschaft mit Bergen der Wildspitze im Hintergrund
Aufstieg zur Wildspitze von der Vernagthütte. Photo Credits: VIVALPIN

Die Anstiege von Norden 

Ausgangspunkt ist das knapp 2.000 m hohe, idyllisch gelegene Vent im hinteren Ötztal. Hier gibt es einen großen (kostenpflichtigen) Parkplatz und einen Sessellift, der dir ca. zwei Stunden Aufstieg erspart. Für eine Besteigung der Wildspitze nimmst du dir üblicherweise zwei Tage Zeit. Am ersten Tag kannst entweder den Sessellift benutzen oder gemütlich über herrliche Almen die knapp 900 Höhenmeter unter die Sohlen nehmen. Wir empfehlen am ersten Tag den Aufstieg zu Fuß, gewissermaßen für eine behutsame Akklimatisation, und nach der Tour am zweiten Tag die Talfahrt mit dem Sessellift.

Die Breslauer Hütte liegt auf 2.844 m und hat insgesamt 200 Übernachtungsplätze. Dort wirst du gut, fast wie in einem Gasthaus versorgt.

Wildspitze vom Nordgipfel. Photo Credits: VIVALPIN

1. Von der Breslauer Hütte übers Mitterkarjoch 

Am zweiten Tag wirst du nicht der erste sein, der sich auf den Weg macht. Die Wildspitze ist ein heißbegehrter Gipfel und im Sommer sind bei gutem Wetter Tag für Tag hunderte Bergsteiger von der Breslauer- und der Vernagthütte sowie vom Taschachhaus unterwegs.  

Zunächst folgst du im Schein deiner Stirnlampe einem ausgetretenen Weg gemächlich ansteigend ins weitläufige Mitterkar. Zahlreiche Steinmänner dienen als Markierung, wo sich der Pfad im Geröll verliert. Im Frühsommer, wenn noch reichlich Winterschnee liegt, folgst du der meist gut ausgetretenen Spur. Nach ca. 1,5h auf 3.200 m Höhe betrittst du den Gletscherrest des Mitterkarferners und es wird Zeit, Klettergurt, Helm und evtl. Steigeisen anzulegen. Nach einem sich bis auf 40° aufsteigenden Hang kannst du endlich Hand an den Fels legen. Aber Achtung: Die letzten Meter durch ein schmales Couloir zum Einstieg des Klettersteigs sind steinschlaggefährlich. 

Der Klettersteig selbst ist ein Genuss. Hervorragend angelegt und abgesichert kraxelst du auf das 3.470 m hohe Mitterkarjoch. Hier betrittst du den oberen, spaltenreichen Taschachferner. Besonders in der Steilstufe unter der Wildspitze wollen regelmäßig große Gletscherspalten umgangen oder überwunden werden. Von hier hast du den Südwestgrat gut im Blick. Über ihn führt der Weiterweg zum Gipfelkreuz.

Vor wenigen Jahren noch waren diese letzten Meter eine kombinierte Kletterei in Fels und Eis. Heute ist der Grat im Sommer ausgeapert und du kommst bequem auf einem ausgetretenen Pfad mit einigen einfachen Kletterstellen zum höchsten Punkt. Alternativ, wenn die Breslauer Hütte ausgebucht ist, kannst du auch von der Vernagthütte starten. In dem Fall erreichst du den Normalweg kurz unterm Mittelkarjoch. Dieser Anstieg ist etwas länger, von der Gesamtschwierigkeit aber vergleichbar.

Felsiger Anstieg mit Bergsteigern und Kletterausrüstung auf das Mitterkarjoch
Felsiger Klettersteig auf das Mitterkarjoch. Photo Credits: VIVALPIN

2. Über den Jubiläumsgrat auf die Wildspitze 

Der Jubiläumsgrat ist die Kingline auf die Wildspitze. Er bietet sich mit Abstieg übers Mitterkarjoch als fantastische Gratüberschreitung an. Du startest von der Breslauer Hütte und kannst in einer guten Stunde am Rofenkarferner die Steigeisen anlegen. Nach dem ersten Steilaufschwung hältst du dich eher rechts und erreichst ohne große Probleme einen Geröllgrat, der dich auf das 3.315 m hohe Rofenkarjoch führt.

Hierhin könntest du auch von der Braunschweiger Hütte über den langen Mittelbergferner gelangen. Ab dem Rofenkarjoch folgst du in mehreren Aufschwüngen ausgesetzt dem Jubiläumsgrat bis zum Nordgipfel. Aber Vorsicht: Was bei Trittschnee und einer guten Spur der absolute Genuss ist, das wird im Spätsommer bei Blankeis zur anspruchsvollen Unternehmung, denn die steilsten Stellen sind bis zu 40° steil und äußerst exponiert.

Drei Bergsteiger mit Kletterausrüstung auf schneebedecktem Berg
Anstieg über den Rofenkarferner. Photo Credits: VIVALPIN

Die Anstiege von Süden 

Ausgangspunkt für den Anstieg von Süden ist Mandarfen oder Mittelberg im hinteren Pitztal. Hier gibt es große Parkplätze, linkshaltend (im Aufstiegssinne) geht es entweder steil in gut 2 Stunden zur Braunschweiger oder rechterhand flach in 3 Stunden zum Taschachhaus. Den Anstieg durch das lange Taschachtal kannst du aber gut und bequem mit dem (E-)Bike abkürzen.

1. Vom Pitztal übers Taschachhaus auf die Wildspitze 

Dieser Anstieg ist ungleich länger als der von Süden über die Breslauer Hütte. Schon der Hüttenanstieg von Mittelberg im hinteren Pitztal zum Taschachhaus (2.434 m) zieht sich. Am zweiten Tag startest du im Schein der Stirnlampe. Zunächst gilt es, auf den Taschachferner zu gelangen. In den 90er Jahren reichte der Gletscher noch bis auf Hüttenhöhe, heute wanderst du mindestens 2 Stunden, bis du den Gletscher betreten kannst.

Von links triffst du auf die Route vom Mittelbergjoch, die im Frühjahr oft und gerne mit Ski gemacht wird. Vis a vis ist nämlich das Pitztaler Gletscherskigebiet, von dem du bequem auf die Taschach-Route queren kannst. In mehreren Aufschwüngen folgst du dem atemberaubend zerklüfteten Gletscher, die Spaltenzonen immer mit gebührendem Abstand umgehend. Nach ca. 4 Stunden triffst du dann im Bereich des Mitterkarjochs auf den Normalweg von der Breslauer Hütte.

Schneelandschaft mit Bergen im Hintergrund
Auf dem Weg zur schneebedeckten Wildspitze. Photo Credits: VIVALPIN

2. Vom Pitztal über die Braunschweiger Hütte auf die Wildspitze

Für konditionsstarke Bergsteiger ist der Anstieg über die Braunschweiger Hütte eine gute Alternative, denn diese ist von Mittelberg einfach und rasch zu erreichen. Der Weiterweg am nächsten Tag über das Mittelbergjoch ist sehr weit, aber durchaus reizvoll. Zunächst steigst du von der Hütte ca. 300 Höhenmeter auf den aperen Mittelbergferner und dann über Geröll und Schnee zum 3.166 m hohen Mittelbergjoch. Nach einem kurzen, steilen Abstieg erreichst du nach gut 3 Stunden die Taschachroute und über diese den Gipfel der Wildspitze.

Alternative: Du kannst (s.o.) auch den Jubiläumsgrat von der Braunschweiger Hütte erreichen. Auch dieser Anstieg ist überaus reizvoll und bis zum Rofenkarjoch einsam, aber lang.

Zwei Bergsteiger auf dem schneebedecktem Jubiläumsgrat mit Bergen im Hintergrund
Spektakuläre Aussichten vom Jubiläumsgrat. Photo Credits: VIVALPIN

Abstieg 

Der am meisten begangene und schnellste Abstieg ist der Normalweg zur Breslauer. Hier solltest du aber am Ende des Klettersteigs (in Abstiegsrichtung) äußerst achtsam sein, denn die steilen Schneehänge sind bei Sonneneinstrahlung sehr steinschlaggefährlich.

Toureninfo Wildspitze 

Ausgangspunkt: Vent 1.895 m im Ötztal oder Mittelberg (1.736 m) im Pitztal.

Stützpunkte: Breslauer Hütte (2.844 m), Vernagthütte (2.756 m), Taschachhaus (2.432 m), Braunschweiger Hütte (2.759 m).

Charakter: 

  • Der kürzeste Anstieg von der Breslauer Hütte (2.844 m), 4h im Aufstieg
  • Die Alternative von der Vernagthütte (2.755 m), 5h im Aufstieg 
  • Der lange Anstieg vom Taschachhaus (2.432 m), 6h im Aufstieg 
  • Die Wildspitz Überschreitung Jubiläumsgrat – Normalweg, 4h im Aufstieg
Viele Bergsteiger am Gipfel der Wildspitze
Gipfelgedränge oben an der Wildspitze. Photo Credits: VIVALPIN

Voraussetzungen: Alle Anstiege führen über spaltenreiche, wilde Gletscher. Gletschausrüstung und das Beherrschen der Spaltenbergemethoden ist Voraussetzung. Am Gipfelaufschwung gibt es einige kurze Kletterpassagen im II. Grad, die aber oft mit Steigeisen geklettert werden müssen. Du benötigst neben den technischen Fähigkeiten eine gute Kondition für die mindestens 7h lange Hochtour (Hütte-Hütte).

Normalwege: vom Taschachhaus (5-6h), von der Braunschweiger Hütte (6h) oder von der Breslauer Hütte (4h) 

Schwierigkeit: Gletschertouren über spaltenreiche Gletscher, im Gipfelbereich leichte aber ausgesetzte Kletterei (-II); Anstieg von der Breslauer Hütte zum Mitterkarjoch außerdem Klettersteig B-C.

Stützpunkte: Taschachhaus (3h), Braunschweiger Hütte (2h), oder Breslauer Hütte (1h ab Bergstation Sessellift)

Talort: Mittelberg im Pitztal oder Vent im Ötztal 

Jubiläumsgrat: Anspruchsvollere Alternative von der Breslauer Hütte, stark von den Verhältnissen abhängig, Eis -40°, teilweise ausgesetzter Schneegrat

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Bergfreund Christof

Christof Schellhammer machte mit 21 Jahren sein Hobby zum Beruf. Seither ist er als staatlich geprüfter Bergführer und Skiführer in den Alpen und den Gebirgen der Welt unterwegs. Vor über 30 Jahren gründete er gemeinsam mit seinem Freund Wolfgang Pohl die rennomierte Ski- und Bergschule VIVALPIN, eine der führenden Anbieter im Alpenraum. Gemeinsam haben sie viele junge Bergführer und Skiführer bis zur Staatlichen Prüfung ausgebildet und Fachliteratur zum Thema Bergsteigen veröffentlicht. Christofs Erfahrung und Leidenschaft machen ihn zu einem der anerkanntesten Experten im alpinen Raum.

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