{"id":70525,"date":"2023-05-12T15:30:00","date_gmt":"2023-05-12T13:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/?p=70525"},"modified":"2023-07-26T11:37:57","modified_gmt":"2023-07-26T09:37:57","slug":"berghuetten-in-den-alpen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/berghuetten-in-den-alpen\/","title":{"rendered":"Bergh\u00fctten in den Alpen &#8211; Einkehr, Zuflucht &#038; Unterkunft"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Urbanisierung-Header-v2.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Berghuetten-in-den-Alpen-Vielfalt-der-Huetten.jpg\" alt=\"Bergh\u00fctten vor einem Wald\" width=\"300\" height=\"225\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Es spielt keine Rolle, um was f\u00fcr eine Art von H\u00fctte es sich handelt. Bergh\u00fctten sind in erster Linie Schutzunterk\u00fcnfte.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es gibt gro\u00dfe und kleine, rustikale und sehr komfortable Bergh\u00fctten, bewirtschaftete und bewartete H\u00fctten, H\u00fctten f\u00fcr Selbstversorger, Biwakschachteln, Almh\u00fctten, Alpen und \u201eH\u00fctten\u201c, die komfortable Berghotels mit Sterneniveau sind. All diese H\u00fctten haben eines gemeinsam: Sie bieten ein Dach \u00fcber dem Kopf, das vor schlechtem Wetter und K\u00e4lte sch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-ein-dach-uber-dem-kopf\">Ein Dach \u00fcber dem Kopf<\/h2>\n\n\n\n<p>Das ist eine banale Geschichte, wie sie sich in jeder Bergwander- und Hochtourensaison h\u00e4ufig ereignet. Sie beschreibt aber die wichtigste Funktion aller Bergh\u00fctten, ob sie sich nun im Bergwanderrevier, an einem hohen Pass\u00fcbergang, im steilen Fels oder auf einem Felsr\u00fccken mitten im weiten Gletscherbecken befindet. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>H\u00fctten sind in erster Linie Schutzunterk\u00fcnfte<\/strong> in den Bergen. Es spielt keine Rolle, um was f\u00fcr eine Art von H\u00fctte es sich dabei handelt. Es kann eine rudiment\u00e4re kleine Biwakschachtel f\u00fcr vier bis sechs Personen sein oder eine gro\u00dfe, bewirtschaftete H\u00fctte mit allem Komfort.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Beliebte H\u00fctten werden modernisiert<\/h3>\n\n\n\n<p>Neben ihrer Schutzfunktion erleichtern H\u00fctten das Erreichen hoher Ziele, die man vom Tal aus an einem Tag nicht bezwingen k\u00f6nnte. Die <strong>Go\u00fbter-H\u00fctte am Mont Blanc<\/strong> geh\u00f6rt beispielsweise dazu, die <strong>Monte Rosa H\u00fctte<\/strong> und <strong>Capanna Margherita<\/strong> oder die <strong>H\u00f6rnlih\u00fctte im Wallis<\/strong>. Diese H\u00fctten z\u00e4hlen auf Grund der weltweit bekannten Gipfelzielen zu den am st\u00e4rksten frequentierten H\u00fctten der Alpen. Sie wurden im Laufe der Zeit stets vergr\u00f6\u00dfert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der stetig wachsende Besucherandrang f\u00fchrte dazu, dass die H\u00fctten zudem mit einer besonders effizienten <strong>Energie- und Wasserversorgung<\/strong> sowie <strong>Abwasserentsorgungsanlagen<\/strong>, die auch bei vielen Minusgraden zuverl\u00e4ssig&nbsp; arbeiten, ausgestattet werden mussten. Durch den enormen Andrang auf diesen H\u00fctten m\u00fcssen solchen Massenziele gr\u00f6\u00dferen Anforderungen gerecht werden und ben\u00f6tigen eine moderne technische Ausstattung.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Plumpsklos auf den Westalpenh\u00fctten noch aus den 1980er-Jahren kennt, der wei\u00df, dass der Besuch des stillen \u00d6rtchens dort vermieden werden musste, so lange es nur ging. Danach war einem immer spei\u00fcbel, auch wenn man nicht zu den Zartbesaiteten geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-berghutten-als-ziele\">Bergh\u00fctten als Ziele<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Berghuetten-in-den-Alpen-Biwakschachtel.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Berghuetten-in-den-Alpen-Biwakschachtel.jpg\" alt=\"Biwakschachtel\" width=\"350\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wer in einer Biwakschachtel Schutz sucht sollte gut ausger\u00fcstet sein. Quelle: Marcus Hebel\/ Wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>H\u00fctten sind aber auch selbst attraktive Ziele, zumal man dort oft einen wunderbaren Panoramablick genie\u00dfen kann. H\u00fctten bieten hoch oben in den Bergen all das, was es dort eigentlich sonst kaum gibt: <strong>Schutz vor Wind und Wetter, Verpflegung oder die M\u00f6glichkeit zum Kochen, ferner W\u00e4rme, Hilfe in Notlagen und f\u00fcr den Alleing\u00e4nger bei Bedarf sogar Gesellschaft am Abend.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Reduktion des Komforts aufs rustikale Wesentliche \u2013 beispielsweise bei &nbsp;den im Winter zug\u00e4nglichen Winterr\u00e4umen der Alpenvereinsh\u00fctten, in einer einsam gelegenen <strong>Selbstversorger-H\u00fctte<\/strong> oder einer <strong>Biwakschachtel <\/strong>in luftiger H\u00f6he \u2013 wird dabei heute wie fr\u00fcher von vielen Bergsteigern sehr gesch\u00e4tzt im Sinne von H\u00fcttenromantik und als attraktive Gegenwelt zum komfortablen Lebensstil daheim. <\/p>\n\n\n\n<p>Es macht richtig Spa\u00df, im Winter nach einer Skitour erst einmal <strong>Holz zu hacken<\/strong>, den eiskalten Ofen einzuheizen, drau\u00dfen Schnee zu holen und ihn auf dem Herd zu schmelzen f\u00fcr die Zubereitung von Tee und einer warmen Mahlzeit. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Biwakschachteln f\u00fcr Minimalisten<\/h3>\n\n\n\n<p>Genauso gro\u00dfartig wie der Aufenthalt im kleinen <strong>Winterraum<\/strong> einer H\u00fctte ist die \u00dcbernachtung in einer <strong>Biwakschachtel<\/strong> hoch oben am Berg. Im Unterschied zum Winterraum, <strong>der mit Brennholz oder Gas, Herd, Kochutensilien, Putzmittel <\/strong>und teils sogar mit <strong>Not-Proviant, Gew\u00fcrzen und Wein<\/strong> auf Vertrauensbasis ausgestattet ist, muss man bei einer \u00dcbernachtung in diesen, oft halbrunden Aludosen \u00e4hnelnden Unterk\u00fcnften <strong>alles dabei haben,<\/strong> was man braucht: Kocher, Topf und Kartusche samt Teller, Feuerzeug, Besteck, komplette Verpflegung sowie Schlafsack, wenn man nicht in feuchtklammen Decken n\u00e4chtigen will.<\/p>\n\n\n\n<p>All dies zus\u00e4tzlich zum normalen Tourengep\u00e4ck, was eine gute Kondition voraussetzt. Biwakschachteln stehen meist auf sehr langen Etappen, beispielsweise die <strong>Hanwag-Biwakschachtel<\/strong> <strong>auf dem Jubil\u00e4umsgrat<\/strong>, das<strong> Roland-Ritter-Biwak am Augsburger H\u00f6henweg<\/strong> in den Lechtaler Alpen oder das <strong>Fourche-Biwak<\/strong> (3679 m) mit zehn Pl\u00e4tzen am Col du Trident als Ausgangspunkt f\u00fcr den K\u00fcffner-Grat, einen gro\u00dfen Klassiker im Montblanc-Massiv. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere rustikale \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit, oft sogar im Heu samt einfacher Verpflegung mit den alpeeigenen K\u00e4se- und Milchprodukten \u2013 das bieten im Sommer viele der <strong>bewirtschafteten Sennalpen<\/strong>. Auch sie werden oft als H\u00fctten bezeichnet oder sind &#8211; wie die <strong>Engstligenalp in den Berner Alpen<\/strong> \u2013 l\u00e4ngst ein komfortables Berggasthaus. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Bezeichnung \u201eH\u00fctte\u201c f\u00fcr eine Unterkunft in den Bergen kann also vieles bedeuten \u2013 vom komfortablen Berghotel bis zur kleinen Sennalpe oder Notunterkunft wie die Vallot-H\u00fctte am Montblanc.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-die-anfange\"><strong>Die Anf\u00e4nge<\/strong><\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Berghuetten-in-den-Alpen-bewirtschaftete-Huette.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Berghuetten-in-den-Alpen-bewirtschaftete-Huette.jpg\" alt=\"Alpenvereinsh\u00fctte\" width=\"350\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Alpvereinsh\u00fctte mit gro\u00dfem Matratzenlager<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Schon f\u00fcr die Kaufleute, Bildungsreisenden oder Pilger, die einst die hohen Alpenp\u00e4sse \u00fcberqueren mussten, wurden in diesen durch schlechtes Wetter, Lawinen, Steinschlag und K\u00e4lte oft lebensgef\u00e4hrlichen H\u00f6hen Hospize mit Unterk\u00fcnften und Verpflegung f\u00fcr die Reisenden geschaffen oder einfache Herbergen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter <strong>errichteten Naturforscher Unterk\u00fcnfte<\/strong> mitten in den Bergen, um dort ihre empirische Feldforschung durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Der Schweizer Glaziologe Franz Josef Hugi (1791-1855) und danach Louis Agassiz (1807-1873) nutzten Mitte des 19. Jahrhunderts beispielsweise <strong>rudiment\u00e4re Steinbehausungen<\/strong> auf dem Unteraargletscher im Berner Oberland. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Montblanc errichteten der Glaziologe Joseph Vallot und Jules Jannsen, der Begr\u00fcnder der Astrophysik, um 1880 fast zeitgleich ihr Observatorium. Janssen direkt auf der dicken Eiskalotte des Gipfels, wo es nach wenigen Jahren im Eis versank. Vallot im Jahr zuvor auf den Rochers Foudroy\u00e9s kurz unterm Gipfel. Das Observatorium war mit einem chinesischen Salon und edlen M\u00f6beln komfortabel eingerichtet und wurde lange intensiv genutzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Bergh\u00fctten-Boom<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach <strong>Gr\u00fcndung der Alpenvereine<\/strong> &nbsp;wurden von den zahlreichen Sektionen im gesamten Alpenraum in kurzer Zeit sehr viele <strong>H\u00fctten gebaut oder gekauft und umgebaut<\/strong>. Hinzu kommen die ebenfalls \u00f6ffentlichen Bergh\u00fctten der Naturfreunde, H\u00fctten anderer alpiner Clubs und Vereine, private Bergh\u00fctten, ferner leicht erreichbare \u201eBergh\u00fctten\u201c im Seilbahnrevier, die den Bergbahngesellschaften geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>War die \u201eSommerfrische in den Bergen\u201c einst nur das Privileg der Reichen und Adligen, so erm\u00f6glichten die Bergh\u00fctten erstmals auch den weniger gut betuchten Menschen einen Urlaub in den Bergen. Vor allem , wenn die Ausgangspunkte im Tal durch \u00f6ffentliche Verkehrsmittel wie Bahn und Busse leicht erreichbar waren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die H\u00fcttenstandorte wichtige Faktoren waren beispielsweise Panoramalagen mit attraktiven Bergzielen in der Umgebung. Eine vor Stein- und Eisschlag sowie Lawinen weitgehend gesch\u00fctzte Lage.&nbsp; M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die ausreichende Versorgung mit regenerativen Energien und Wasser. Ferner L\u00e4nge und Schwierigkeiten der Zustiege. Und die Transport- und Zulieferungsm\u00f6glichkeiten aus dem Tal.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-berghutten-heute-komfort-wie-im-tal\"><strong>Bergh\u00fctten heute: Komfort wie im Tal?<\/strong><\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Berghuetten-in-den-Alpen-Huettenkomfort.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Berghuetten-in-den-Alpen-Huettenkomfort.jpg\" alt=\"Zwei Bergsteigerauf dem Weg zu einer Bergh\u00fctte\" width=\"350\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Erwartungen der Besucher an die Bergh\u00fctten sind drastisch gestiegen, das bleibt nicht ohne Folgen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Inzwischen ist die Nutzung von Bergh\u00fctten f\u00fcr alle, auch f\u00fcr die Nicht-Mitglieder der alpinen Vereine, selbstverst\u00e4ndlich geworden. Mangels Sozialisierung am Berg und fehlendem Wissen \u00fcber die Schwierigkeiten des H\u00fcttenbetriebs in den H\u00f6henlagen &nbsp;sind die <strong>Erwartungen der Besucher an die Bergh\u00fctten drastisch gestiegen<\/strong>: Die G\u00e4ste wollen dieselben Leistungen zum selben Preis wie in den Gasth\u00e4usern im Tal. Wie die Produkte zur H\u00fctte kommen, das fragen sie nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesch\u00e4umter Cappuccino anstatt Kaffee, frische Br\u00f6tchen zum Fr\u00fchst\u00fcck, Fr\u00fchst\u00fccksb\u00fcffet und mehrere 3-Gang-Men\u00fcs zur Auswahl am Abend, darunter ein Men\u00fc f\u00fcr Veganer oder Allergiker aller Art. Auch die hygienischen Anforderungen sind gestiegen. Die G\u00e4ste verlangen so viele warme Duschen, dass man nicht anstehen muss. Zwei-Bett-Zimmer sowieso. <\/p>\n\n\n\n<p>Der pers\u00f6nliche M\u00fcll wird dem H\u00fcttenwirt zur Entsorgung da gelassen und notfalls zwischen den Matratzen versteckt. Viele H\u00fcttenbesucher kennen nicht einmal die <strong>Bedeutung der H\u00fcttenkategorien I, II und III des DAV und OeAV<\/strong> bez\u00fcglich des zu erwartenden Komforts. <\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass auch die Umwelt- und Sicherheitsauflagen der Beh\u00f6rden gestiegen sind sowie die \u00f6kologischen Zielsetzungen und Richtlinien der Alpenvereine hinsichtlich der Ausstattung mit effizienten \u00f6kologischen Energieversorgungssystemen und der umweltfreundlichen Abwasserentsorgung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Modernisierung der H\u00fctten ist teuer<\/h3>\n\n\n\n<p>Weit \u00fcber zehn Millionen Euro investieren die Alpenvereine j\u00e4hrlich in die Instandhaltung und umweltgerechte Modernisierung ihrer H\u00fctten. L\u00e4ngst gibt es wahre \u00d6ko-Meisterwerke mit zukunftsweisenden Umwelttechnologien, die in jahrelanger T\u00fcftelei speziell f\u00fcr den jeweiligen H\u00fcttenstandort entwickelt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie komplex und schwierig das sein kann, zeigt das folgende Beispiel. Die im September 2009 nach sechsj\u00e4hriger Planungs- und Bauzeit eingeweihten <strong>Monte-Rosa-H\u00fctte im Wallis<\/strong>. Sie liegt auf 2883 m H\u00f6he. Sie galt als <strong>\u201eMeilenstein nachhaltigen Bauens\u201c<\/strong> und als \u201eBergh\u00fctte der Zukunft\u201c. Mehrere Institute der ETH Z\u00fcrich (Eidgen\u00f6ss. Technische Hochschule) waren an diesem 6,5-Millionen-Franken-\u00d6ko-High-Tech-Projekt beteiligt, das zu 90 Prozent energieautark sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die komplexen Haustechnik-Anlagen sollten zentral vom ETH-Institut f\u00fcr Dynamische Systeme und Regelungstechnik in Z\u00fcrich gesteuert werden. Doch das Hightech-Renomm\u00e9e der H\u00fctte samt der intensiven Berichterstattung in den Medien wurden zum Fluch: Die H\u00fctte wurde 2010 und 2011 von so vielen neugierigen \u00dcbernachtungsg\u00e4sten und \u2013 wegen der Gornergratbahn \u2013 von so vielen Tagesbesuchern \u00fcberrannt, dass die <strong>\u00d6ko-und High-Tech-Anlagen dem Ansturm nicht gewachsen<\/strong> waren. Die Folgen waren h\u00f6chst unangenehm, vor allem f\u00fcr das H\u00fcttenteam.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Ende der H\u00fcttensaison 2011 und in 2012 wurde rasch nachger\u00fcstet. Auch die alte <strong>Go\u00fbter-H\u00fctte<\/strong> auf 3835 m H\u00f6he am Montblanc-Normalweg, der h\u00f6chsten bewirtschafteten H\u00fctte in den franz\u00f6sischen Alpen, wurde inzwischen \u2013 200 m von der alten H\u00fctte entfernt &#8211; durch einen <strong>\u00d6ko-High-Tech-Bau<\/strong> mit 120 Pl\u00e4tzen <strong>ersetzt<\/strong>. Wer nicht reserviert hat, muss damit rechnen, abgewiesen zu werden und muss ohne entsprechende Ausr\u00fcstung rund 700 H\u00f6henmeter absteigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Durfte man fr\u00fcher neben der alten Go\u00fbter-H\u00fctte noch biwakieren oder zelten, so ist das inzwischen aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden untersagt. Im <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/zelte\/\">Zelt<\/a> \u00fcbernachten darf man nur unten bei der <strong>T\u00eate Rousse H\u00fctte<\/strong>, was am Gipfeltag 700 H\u00f6henmeter mehr bedeutet. &nbsp;Wer kann, der sucht sich seine Ziele fern von solchen H\u00fctten oder geht antizyklisch. Das bedeutet, dass man ber\u00fchmte Gipfelziele nicht in der Hochsaison besteigt oder auf anderen Routen. Daf\u00fcr braucht man allerdings mehr Erfahrung.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Berghuetten_Monte-Rosa-Huette.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"750\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Berghuetten_Monte-Rosa-Huette.jpg\" alt=\"Monte-Rosa-H\u00fctte mit Wanderer im Vordergrund\" class=\"wp-image-51133\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Berghuetten_Monte-Rosa-Huette.jpg 1000w, https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Berghuetten_Monte-Rosa-Huette-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Berghuetten_Monte-Rosa-Huette-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Monte-Rosa-H\u00fctte sieht sehr futuristisch aus.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bergh\u00fcttenkategorien des DAV und OeAV<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Kategorie I:<\/strong> bewirtschaftete H\u00fctten, Selbstversorgerh\u00fctten oder Biwakschachteln, Winterraum ist vorhanden. Eher schlichte Ausstattung, bei Bewirtschaftung einfache aber ausreichende Verk\u00f6stigung. Meist mehr als eine Stunde <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/gehzeit-rechner\/\">Gehzeit<\/a> zum n\u00e4chsten St\u00fctzpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kategorie II: <\/strong>Meist ganzj\u00e4hrig bewirtschaftete H\u00fctten in beliebten Gebieten. Oft aber nicht zwingend per Pkw, Bus oder Seilbahn erreichbar, Winterraum teils vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wegen besserer Ausstattung und Verk\u00f6stigung gut geeignet f\u00fcr mehrt\u00e4gige Aufenthalte.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kategorie III: <\/strong>Per Pkw, Bus oder Seilbahn erreichbare H\u00fctten. Dienen haupts\u00e4chlich als Ziel f\u00fcr Tagesausfl\u00fcge und weisen nur geringe \u00dcbernachtungszahlen auf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-komfortverzicht-als-beschrankung-aufs-wesentliche\">Komfortverzicht als Beschr\u00e4nkung aufs Wesentliche<\/h2>\n\n\n\n<p>Was an ber\u00fchmten, stark frequentierten H\u00fctten durch hohe Eink\u00fcnfte, Sponsoren und Investoren gegebenenfalls finanziell m\u00f6glich ist, ist f\u00fcr die fern der renommierten Gipfel gelegenen Alpenvereinsh\u00fctten ein gro\u00dfes Problem. Die Eink\u00fcnfte dieser H\u00fctten sind in den wenigen Monaten der H\u00fcttensaison oft viel zu gering und keinesfalls kostendeckend. <\/p>\n\n\n\n<p>Oft verdienen dort auch die H\u00fcttenwirte zu wenig. Wer soll das bezahlen, fragt sich so mancher Sektionsvorstand v\u00f6llig zu Recht. Eine andere Frage ist die Folgende. Muss denn wirklich jede H\u00fctte zum komfortablen Berggasthaus ausgebaut werden?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-vielfalt-ist-trumpf\">Vielfalt ist Trumpf<\/h2>\n\n\n\n<p>Vielfalt ist doch Trumpf. Jedenfalls sollte es f\u00fcr sp\u00e4tere Generationen noch viele kleine H\u00fctten der Kategorie 1 geben. Solche frei zug\u00e4ngliche Winterr\u00e4ume und Biwakschachteln, die ihrer urspr\u00fcnglichen Bedeutung als Schutzh\u00fctte und Bergsteigerunterkunft gerecht werden, haben ihren <strong>rustikalen Charme<\/strong>. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele ist es das Sch\u00f6nste, als nach einer Skitour im Winterraum einer urigen H\u00fctte hoch in den Bergen anzukommen. Den Ofen anheizen, Schnee schmelzen, kochen und mitzuerleben wie sich die eiskalte H\u00fctte in eine kleine, <strong>heimelig-warme Bergsteigerunterkunft<\/strong> verwandelt. Duschen sind da f\u00fcrs Gl\u00fcck nun wirklich nicht erforderlich, waschen kann man sich notfalls auch mit dem Wasser vom Herd.<\/p>\n\n\n\n<p>Egal ob H\u00fctte mit Komfort oder ohne. Beim n\u00e4chsten H\u00fcttenaufenthalt inmitten der Berge sollte man an folgendes denken. Ein dichtes <strong>Dach \u00fcber dem Kopf, ein sauberes Lager und Verpflegung <\/strong>hoch oben in den Bergen<strong> <\/strong>sind <strong>alles andere als selbstverst\u00e4ndlich<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt gro\u00dfe und kleine, rustikale und sehr komfortable Bergh\u00fctten, bewirtschaftete und bewartete H\u00fctten, H\u00fctten f\u00fcr Selbstversorger, Biwakschachteln, Almh\u00fctten, Alpen und \u201eH\u00fctten\u201c, die komfortable Berghotels mit Sterneniveau sind. All diese H\u00fctten haben eines gemeinsam: Sie bieten ein Dach \u00fcber dem Kopf, das vor schlechtem Wetter und K\u00e4lte sch\u00fctzt. 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