{"id":69568,"date":"2016-10-18T11:13:53","date_gmt":"2016-10-18T09:13:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/anni-auf-dem-nordkalottleden-400-km-alleine-durch-nordskandinavien\/"},"modified":"2023-07-26T15:45:09","modified_gmt":"2023-07-26T13:45:09","slug":"anni-auf-dem-nordkalottleden-400-km-alleine-durch-nordskandinavien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/anni-auf-dem-nordkalottleden-400-km-alleine-durch-nordskandinavien\/","title":{"rendered":"Anni auf dem Nordkalottleden \u2013 400 km alleine durch Nordskandinavien"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-nordkalottleden-was-wo-warum\">Nordkalottleden \u2013 was, wo, warum?<\/h2>\n\n\n\n<p>Jeder, der sich schon mit dem Wandern in Skandinavien abseits des Kungsleden besch\u00e4ftigt hat, ist sicher mindestens einmal auf ihn gesto\u00dfen \u2013 den Nordkalottleden. Die Nordkalotte, das ist die Bezeichnung f\u00fcr den Teil Skandinaviens, der sich geographisch n\u00f6rdlich des Polarkreises befindet. 1993 wurde dieser Fernwanderweg eingeweiht, um eine Verbindung von bereits etablierten Wanderwegen wie Padjelantaleden oder Kungsleden zu schaffen. Zudem wollte man einen Wanderweg schaffen, bei dem man Teile aller drei L\u00e4nder &#8211; Norwegen, Finnland und Schweden &#8211; auf einem oder mehreren Abschnitten des Weges durchwandert, nicht zuletzt auch, um die Verbindung der drei L\u00e4nder untereinander zu st\u00e4rken. Der Nordkalottleden verl\u00e4uft von Kautokeino im Norden Norwegens \u00fcber 800 Kilometer nach Kvikkjokk in Schweden oder wahlweise nach Sulitjelma in Norwegen. Immer wieder \u00fcbertritt man dabei die Landesgrenzen. Es gibt einige Varianten des Weges und so ist es einfach, nicht einer starren Route zu folgen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Schon-wieder-eine-Grenze.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Schon-wieder-eine-Grenze.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-50349\" width=\"840\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Schon-wieder-eine-Grenze.jpg 600w, https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Schon-wieder-eine-Grenze-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Grenzg\u00e4nger&#8230; Foto: Anna-Maria Wilhelm<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ich selber habe letztes Jahr erstmals vom Nordkalottleden geh\u00f6rt und war sofort interessiert. Noch nie war ich oberhalb des Polarkreises, und selbst der s\u00fcdliche Terminus Kvikkjokk bzw. Sulitjelma befindet sich noch weit oberhalb 66\u00b0 Nord &#8211; faszinierend. Ganz viel Inspiration bekam ich von meinem <a href=\"https:\/\/www.simonpatur.de\/\" rel=\"nofollow\">Freund Simon<\/a>, der vor drei Jahren einmal der L\u00e4nge nach durch Norwegen gewandert ist. Was f\u00fcr eine unglaubliche Leistung! Wie muss es sich wohl anf\u00fchlen, so lange unterwegs zu sein? Was passiert mit einem? Doch die 3000 Kilometer hebe ich mir dann vielleicht doch f\u00fcr sp\u00e4ter auf. Der Nordkalottleden reizte mich erst einmal als eine Art \u201eLangtur light\u201c. Man l\u00e4uft weit und lange, aber nicht erschreckend weit und lange. Er ist auch f\u00fcr jemanden machbar, der nicht gleich seinen Job k\u00fcndigen m\u00f6chte. Er ist so viel Abenteuer, wie man f\u00fcr einen \u201enormal\u201c arbeitenden Menschen voll auskosten kann, ohne ein halbes Verm\u00f6gen zu investieren. Es gibt mit Peter Bickels und Michael Hennemanns F\u00fchrern sogar zwei deutschsprachige B\u00fccher dar\u00fcber. Und nicht zuletzt ist mir meine erste Solotour letztes Jahr im Rondane Nationalpark noch in wunderbarer Erinnerung. Dort leckte ich richtig Blut und tr\u00e4umte seither davon, wie es wohl w\u00e4re, einfach einmal l\u00e4nger als 10 Tage allein im Fjell zu wandern. So weit so gut, ich bekam das OK von den Bergfreunden (gro\u00dfes Dankesch\u00f6n an dieser Stelle!), reichte jeden Urlaub ein, den ich zusammenkratzen konnte, und los ging es mit der Planung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Reisebericht soll nicht jede Einzelheit des Nordkalottleden beschreiben, er soll auch nicht n\u00fcchtern in Fakten wiedergeben, wie der Weg beschaffen ist, wie sich die Landschaft gestaltet oder wie lang genau die Etappen sind. Er soll wiedergeben, wie es sich anf\u00fchlt, als Frau einfach allein loszuwandern und mehrere Wochen auf sich gestellt zu sein \u2013 und sich gleichzeitig den Traum zu erf\u00fcllen, eine lange Tour zu planen und zu wandern. Und er erz\u00e4hlt auch vom Scheitern und wieso es eigentlich gar nicht Scheitern sein muss. Wer allzu viel Emotion nicht vertr\u00e4gt, sollte hier besser aufh\u00f6ren zu lesen ;)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-kautokeino-kilpisjarvi-aller-anfang-ist-schwer\">Kautokeino \u2013 Kilpisj\u00e4rvi: Aller Anfang ist schwer<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach einem traurigen Abschied lie\u00df ich Simon am Bahnhof in Horb am Neckar zur\u00fcck und stieg in den Zug Richtung Z\u00fcrich, wo mein Flieger nach Alta mit Zwischenstopps in Oslo und Troms\u00f8 gehen sollte. Am Flughafen Alta angekommen, versp\u00fcrte ich erstmal den Drang mich kneifen zu m\u00fcssen. War ich wirklich keine 250 Kilometer vom Nordkap entfernt? Wahnsinn, im ganz hohen Norden. Das Hochgef\u00fchl verflog jedoch sofort beim Blick auf den Busfahrplan \u2013 in der Spalte f\u00fcr Samstag herrschte g\u00e4hnende Leere. Dabei hatte ich mir zu Hause alles sch\u00f6n zurecht organisiert und mich schon gewundert, dass meine Anschl\u00fcsse so gut passten. Aber was zu Hause am Rechner funktioniert, muss vor Ort nicht immer so perfekt sein. Also machte ich mich, nach einem Stopp im Supermarkt, auf den Weg zum Campingplatz, der etwas au\u00dferhalb der Stadt liegt. Meine Versuche zu trampen waren vergeblich und so fand ich bei 4 km nicht gerade ungef\u00e4hrlicher Landstra\u00dfe eine hervorragende Einstimmung auf meine Wanderung. Nachdem ich mein <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/zelte\/\">Zelt<\/a> am Campingplatz aufgeschlagen hatte, traf ich Carsten aus Kiel, der zuf\u00e4llig schon auf einem von Simons Vortr\u00e4gen war \u2013 die Welt ist so klein! Und es tat gut, das gerade so weit weg von zu Hause zu sp\u00fcren, war mir doch etwas bang zu Mute, endlich auf Wanderschaft zu gehen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Campkueche-Must-Haves-Kocher-2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Matsch....jpg\" alt=\"Bergfreundin Anni wandert den Nordkalottleden\" class=\"wp-image-31354\" width=\"866\" height=\"650\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schwere Schritte im Matsch &#8211; Foto: Anna-Maria Wilhelm<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag nahm ich den Bus nach Kautokeino, wo ich mich gleich in einem kleinen H\u00fcttchen auf einem der Campingpl\u00e4tze einmietete. Noch ein letztes Mal Zivilisation f\u00fcr eine l\u00e4ngere Zeit, und schon jetzt brach es mir vor Heimweh fast das Herz. Wie w\u00fcrde es wohl werden? Schaffe ich das alles? Als der gro\u00dfe Tag am 15.8. endlich da war, bekam ich mein Fr\u00fchst\u00fcck kaum herunter. Ich schulterte meinen 25 kg schweren Rucksack, in dem ich Essen f\u00fcr zwei Wochen verstaut hatte, und los ging es. \u201eIt should be a bit swampy, but you should get there dry\u201c, sagte man mir in der Touristeninformation auf meine Frage nach der Wegbeschaffenheit, denn dieser Teil des Nordkalottledens steht in Verruf, recht sumpfig zu sein, vor allem bei einem feuchten Sommer, wie er in diesem Jahr in Nordskandinavien vorherrschte. Was \u201ea bit swampy\u201c genau hei\u00dft, durfte ich dann gleich am eigenen Leib erfahren. Der Einstieg erwies sich als unauffindbar, denn, wie mir ein freundlicher Sami wenig sp\u00e4ter erkl\u00e4rte, hatte man den Verlauf des Wanderwegs in diesem Teil ge\u00e4ndert und alle Karten waren veraltet \u2013 hervorragend. Bereits wenige Minuten sp\u00e4ter verwandelte sich der Wanderweg das erste Mal in einen kleinen See. Wo Weg sein sollte, war nur Wasser, an dessen Ende mit etwas Gl\u00fcck eine verblichene Markierung. Na gut, dachte ich mir, von Grasb\u00fcschel zu Grasb\u00fcschel h\u00fcpfend, das kriegst du hin. Der erste Heulanfall lie\u00df nicht lang auf sich warten, w\u00e4hrend ich mich durch die moorigen Senken k\u00e4mpfte, teilweise mehrere Kilometer lang. Wasser und Schlamm liefen mir in meine <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/wanderschuhe\/\">Wanderstiefel<\/a>, an <a href=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/gamaschen\/\">Gamaschen<\/a> hatte ich nat\u00fcrlich nicht gedacht. Es kostet unheimlich Kraft, die F\u00fc\u00dfe wieder aus dem Sumpf zu ziehen, wenn man einmal tief eingesunken ist, sodass mein Puls bald in astronomische H\u00f6hen schnellte. Doch als Mittagessen f\u00fcr die M\u00fccken wollte ich nicht enden, und so musste ich in Bewegung bleiben. Was f\u00fcr eine Sch****. Wie zum Hohn strahlte die Sonne auf mich herab, sch\u00f6nstes Wanderwetter eigentlich. Nach gut zwei Dritteln der 20 Kilometer langen Etappe erklomm ich am Ende meiner Kr\u00e4fte den H\u00fcgel Goaskinvarri auf gut 500 m, von wo ich eine wunderbare Aussicht auf diese H\u00f6lle von Sumpf genoss \u2013 denn so weit n\u00f6rdlich ist man hier bereits \u00fcber der Baumgrenze. Nun hatte ich das Schlimmste geschafft und musste nur noch einer Quadspur der Sami folgen, um mein Ziel Madam Bongos Fjellstue zu erreichen. Der Ausblick auf die endlosen Birkenw\u00e4lder war sch\u00f6n, doch in diesem Moment kam er mir fast feindselig vor. Nie wieder! Es stand jetzt schon fest, dass ich am n\u00e4chsten Tag die Stra\u00dfe in Richtung Reisavannhytta nehmen w\u00fcrde. Die Teerstra\u00dfe erreichte ich schon wenig sp\u00e4ter \u2013 geschafft! Ha, nimm das, Sumpf!<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Madam Bongos Fjellstue findet man ein recht usseliges Grundst\u00fcck eines alten Sami vor, der ein paar \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten in kleinen H\u00fcttchen anbietet. Ob er wohl jemals mal mit dem Mopp durchgegangen ist oder die Bettw\u00e4sche \u00f6fter als im einmal im Monat wechselt, nachdem ein Nordkalott-Wanderer hier geschlafen hat \u2013 ich wei\u00df es nicht und es war mir auch egal, denn ich war v\u00f6llig am Ende, sowohl k\u00f6rperlich als auch psychisch. Was f\u00fcr ein besch**** Anfang! Aber ich wollte ja Abenteuer und habe es bekommen. Viele Wanderer starten den Nordkalottleden im S\u00fcden, jetzt wusste ich auch warum. Ein tr\u00f6stendes Telefonat nach Hause brachte mich wieder etwas auf Kurs, und der Sami munterte mich mit den Worten \u201eDu har klart testen\u201c (Du hast den Test bestanden) auf. Tats\u00e4chlich gilt dieser Abschnitt des Nordkalottleden als der beschwerlichste Teil der ganzen Tour. Ein reingezwungenes Real Turmat und eine Trinkschokolade sp\u00e4ter schlief ich v\u00f6llig fertig zu beruhigenden Kl\u00e4ngen der Kreiss\u00e4ge des alten Sami ein, der das lange Tageslicht im August nochmal so richtig ausnutzte, um seine H\u00fcttchen winterfest zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Tag hielt fast nur Stra\u00dfenkilometer f\u00fcr mich bereit, und nichts Sch\u00f6neres h\u00e4tte ich mir f\u00fcr meinen zweiten Tag vorstellen k\u00f6nnen \u2013 keine Ironie! Die Stra\u00dfe gab mir Sicherheit, die Sonne strahlte und ich konnte mich bei dem vorz\u00fcglichen H\u00f6rbuch \u201eAbgehauen\u201c von Manfred Krug fast schon entspannen. Manfreds beruhigende Stimme klang in meinem Ohr, w\u00e4hrend die Kilometer nur so dahin flogen. Ab und an fuhren einige Sami mit riesigen Anh\u00e4ngern, best\u00fcckt mit bulligen Quads, an mir vor\u00fcber. Doch mit jedem Kilometer schmerzten die F\u00fc\u00dfe mehr, ich musste immer \u00f6fter pausieren. Wenn meine F\u00fc\u00dfe reden k\u00f6nnten, ich h\u00e4tte sie schreien h\u00f6ren \u201eSpinnst du jetzt total? Was zur H\u00f6lle machst du da eigentlich?\u201c. Nach guten 30 km verlie\u00df ich die Stra\u00dfe, durchquerte ein Rentiergehege und suchte mir schon bald einen sch\u00f6nen Zeltplatz, denn es zur Reisavannhytta zu schaffen, war einfach nicht mehr drin. Auf einer Anh\u00f6he errichtete ich mein Lager und genoss die Abendstimmung. Die D\u00e4mmerung in diesen Tagen war so lang wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte. In Zeitlupe verschwand die Sonne hinter den Bergen, um nur wenige Stunden sp\u00e4ter wieder aufzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am dritten Tag traf ich den ersten Wanderer \u2013 Peter aus Schweden, unterwegs von Abisko nach Kautokeino. Ich hatte bereits beim Blick auf die Karte erahnen k\u00f6nnen, dass auch dieser Tag wieder eine Menge von meinem hei\u00dfgeliebten Sumpf bereithalten w\u00fcrde. Als Peter sagte, dass es \u201epretty terrible\u201c sei, man aber durch die von Sami gelegten Plastikmatten f\u00fcr die Quads nicht soo tief einsinken w\u00fcrde, schaltete ich auf Kriegsmodus und zog durch. Und ja, es war pretty terrible. Zwei recht breite Fl\u00fcsse sollten durchwatet werden, was angesichts meines ersten Tages wie Kindergarten anmutete. Ich durchschritt das Gatter eines Rentierzaunes und war nun auf einer Weide. Die Weiden der Rentiere sind jedoch so gro\u00df, dass man mehrere Tage braucht, um eine zu durchwandern. Meine Freude war riesig, als schon bald die ersten Exemplare vor mir \u00fcber den Weg tippelten \u2013 wie ich sie mag! Sie bewegen sich elegant, mit Leichtigkeit und doch sind sie \u00e4u\u00dferst possierlich und, je nach Gr\u00f6\u00dfe des Geweihs, auch ziemlich majest\u00e4tisch. Wenn man durch Nordskandinavien wandert, begleiten sie einen wie Schutzengel. Nachdem meine F\u00fc\u00dfe wieder unglaublich schmerzten und sich jetzt auch taube Stellen bildeten, schlug ich mein Zelt an einem H\u00fcgel auf halbem Weg zum Reisadalen auf, von dem sich eine herrliche Sicht auf die weichen H\u00fcgel der Finnmark bot. Schon kurze Zeit sp\u00e4ter umstreiften Rentiere mein Zelt, nachdem sie mich f\u00fcr ungef\u00e4hrlich befunden hatten. Ganze Familien mit K\u00e4lbern, deren Gl\u00f6ckchen sanft bimmelten, als sie keine 50 Meter von meinem Zelt friedlich \u00e4sten \u2013 was f\u00fcr ein Gl\u00fccksmoment! Eine tolle Belohnung f\u00fcr diese schweren ersten Tage.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-von-canyons-frauen-im-fjell-und-finnland\">Von Canyons, Frauen im Fjell und Finnland<\/h2>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag sollte es endlich ins Reisadalen gehen, ein gewaltiger Canyon mit steil aufragenden Felsw\u00e4nden und dem malerischen Reisaelva, der vor allem am Wochenende ein beliebtes Ziel f\u00fcr Angler und Ausfl\u00fcgler ist, die sich in Langbooten durch den Fluss chauffieren lassen. Es war schon fast Wochenende, und als ich die Nedrefosshytta erreichte, h\u00f6rte man bereits die ersten Au\u00dfenbordmotoren knattern. Nach wieder einmal \u00fcber 20 km in den Knochen, schloss ich mit meinem DNT-Schl\u00fcssel (der Generalschl\u00fcssel f\u00fcr alle H\u00fctten des Norske Turistforening, dem Norwegischen Wanderverein) die urgem\u00fctliche H\u00fctte auf und machte mich gleich zum Fluss auf, um mich nach 3 verschwitzten Tagen endlich zu waschen. Herrlich erfrischend, denn unten im Reisadalen war es noch w\u00e4rmer als bisher \u2013 \u00fcber 20 Grad! Die M\u00fccken st\u00fcrzten sich auf mich und schnell war das Vergn\u00fcgen zu Ende. Meine l\u00e4dierten F\u00fc\u00dfe verlangten eine Pause und so beschloss ich, dass hier der richtige Ort war, um einen Ruhetag einzulegen. Ich las, kochte, wusch etwas W\u00e4sche und fand im H\u00fcttenbuch Simons Eintrag von seiner Norge p\u00e5 Langs Wanderung, die ihn vor drei Jahren auch hier im Reisadalen vorbeif\u00fchrte. Gleich kamen mir die Tr\u00e4nen vor Heimweh, und am liebsten h\u00e4tte ich in eines der Fischerboote gekapert und w\u00e4re zur n\u00e4chsten Bushaltestelle gerudert. Die ersten Tage waren schwer und lie\u00dfen mich absolut nicht die Freude versp\u00fcren, die ich sonst unterwegs hatte. Was war nur los? Die Schmerzen, die Einsamkeit, das Heimweh, die \u00dcbelkeit schon beim Gedanken an Essen und die beschwerlichen Bedingungen auf dem Weg zehrten und nahmen mir den Genuss an Norwegen. Die wenigen sch\u00f6nen Momente konnten das nicht aufwiegen. Ein richtig schlechtes Gewissen machte sich breit. Nicht wenige beneideten mich darum, dass ich diese Tour machen konnte und w\u00e4ren gern an meiner Stelle gewesen. Ich hatte 8 Monate ohne Urlaub durchgearbeitet, viel von meiner Freizeit und Geld in Training und Planung investiert, und auch auf Arbeit war man mir zu meinem gro\u00dfen Gl\u00fcck wohlgesonnen und erlaubte mir, sieben Wochen abwesend zu sein \u2013 die Erwartungen waren hoch im Vorfeld. Ich hatte diese Tour jetzt gef\u00e4lligst zu genie\u00dfen und Spa\u00df zu haben. Doch andererseits lag noch nicht einmal eine Woche hinter mir, die Hoffnung war da, dass sich meine Stimmung noch zum Guten wendet. Dass sich der K\u00f6rper an die Belastung gew\u00f6hnt und man einfach mit gro\u00dfer \u201eTurglede\u201c in dieser wunderbaren Landschaft unterwegs sein kann&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Reisadalen hielt noch einmal ganz andere Herausforderungen bereit. Der \u00fcbliche Sumpf wurde jetzt erg\u00e4nzt durch mannshohen Farn, bei dem ich mich wie Bear Grylls im Dschungel f\u00fchlte. Und \u00fcberall: M\u00fccken. Ich wollte nur noch raus aus dieser H\u00f6lle und wanderte die 29 km lange Strecke von der Nedrefosshytta bis nach Saraelv an einem Tag. Puh. Immerhin hatte ich dort zu meiner gro\u00dfen Freude Handyempfang und die Aussicht, am n\u00e4chsten Tag wieder ins Fjell zu d\u00fcrfen \u2013 in die Weite, die ich so liebe. Endg\u00fcltig zerstochen \u00fcberwand ich die 700 H\u00f6henmeter aus dem beengenden Canyon ohne Probleme und wurde sofort mit Stille, einem angenehmen L\u00fcftchen und M\u00fcckenfreiheit belohnt. So mag ich das! Der herrlichste Zeltplatz der ganzen Tour wartete auf mich. An einem See baute ich mein Zelt auf, holte Wasser und kochte mein Bla Band T\u00fctengericht. Sp\u00e4testens am n\u00e4chsten Tag w\u00fcrde ich <a href=\"http:\/\/ueber66grad.de\" rel=\"nofollow\">Bloggerin Anastassija<\/a>&nbsp;treffen, die schon vor Wochen von Kvikkjokk, dem anderen Ende des Nordkalottleden, aufgebrochen war und mir nun laut Berechnungen entgegenkommen m\u00fcsste. Und tats\u00e4chlich \u2013 am n\u00e4chsten Morgen stand da noch ein Zelt. Die Freude war von beiden Seiten gro\u00df, sich \u00fcber den Weg auszutauschen, und bis in den Nachmittag hinein plauderten wird \u00fcber Gott und die Welt, kochten und genossen die Sonne. Erst um halb f\u00fcnf brachen wir unser kleines 2-Frau-Pfadfindercamp ab, schlie\u00dflich musste Anastassija noch den ganzen Weg nach Saraelv absteigen, und auch ich hatte noch 15 km bis zur Somashytta vor mir. Die sch\u00f6ne Begegnung verlieh mir Fl\u00fcgel, sodass ich schon nach zweieinhalb Stunden an der offenen H\u00fctte ankam. Ich lie\u00df mich auf dem weichen Rentierfell nieder und lies den Abend beim H\u00fcttenbuchlesen ausklingen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Steine-Steine-Steine.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Steine-Steine-Steine.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-50353\" width=\"857\" height=\"571\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Steine-Steine-Steine.jpg 600w, https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Steine-Steine-Steine-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 857px) 100vw, 857px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Stein auf Stein auf Stein auf Stein Foto: Anna-Maria Wilhelm<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Finnland begr\u00fc\u00dfte mich am 22.8. mit Nebel und Nieselregen \u2013 doch nachdem ich bisher ausschlie\u00dflich strahlenden Sonnenschein genie\u00dfen hatte k\u00f6nnen, war das durchaus zu verschmerzen. Mit Finnland kamen auch die Ger\u00f6llfelder \u2013 gro\u00dfe Steine, kleine Steine, feste und lockere Steine, spitze und runde Steine, die Vielfalt kannte einfach keine Grenzen. Der nur 12 km lange Marsch zur Pitsusj\u00e4rvi-H\u00fctte entpuppte sich als sechsst\u00fcndiger H\u00f6llenritt f\u00fcr meine F\u00fc\u00dfe. Der Wind frischte auf, Schaumkronen bildeten sich auf dem Pitsusj\u00e4rvi-See, an dem die H\u00fctte malerisch gelegen ist. Die beiden finnischen Frauen, die ich in der H\u00fctte traf, waren wie so viele Finnen die teilweise durch das ganze Land hier her pilgern, hergekommen um auf den Halti zu steigen, Finnlands h\u00f6chsten Berg. Doch ich hatte keine Ambitionen, ihn zu erkraxeln, sondern freute mich, dass ich schon in 3 Tagen Kilpisj\u00e4rvi erreichen w\u00fcrde. Und besonders sch\u00f6n war es hier auch nicht \u2013 wie eine karge, steinige Mondlandschaft, die f\u00fcr mich wenig Reiz hatte. \u00dcber leicht h\u00fcgeliges Fjell zur Kuonjarjoki-H\u00fctte, in der ich dank zwei s\u00e4gend schnarchenden Finnen kaum ein Auge zu tat, ging es schlie\u00dflich nach Kilpisj\u00e4rvi \u2013 dem Ende der ersten Etappe des Nordkalottleden. In den letzten zwei Tagen hatte ich im Zeitraum weniger Stunden mehr Menschen getroffen als in meiner ganzen ersten Woche. Und auch auf dem Abschnitt Kilpisj\u00e4rvi-Abisko sollte es gesch\u00e4ftig zugehen. Doch erst einmal g\u00f6nnte ich mir zwei Tage in der Herberge Retkeilykeskus, wo ich mir ein Zimmer nahm, und tat mich an den reichhaltigen Buffets morgens und abends g\u00fctlich, erfreute mich daran, die Beine hochzulegen und telefonierte mit meinen Liebsten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kilpisj\u00e4rvi &#8211; Innset: Qualit\u00e4t kommt von Qual <\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\" id=\"attachment_31640\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Weg-ins-Isdalen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Weg-ins-Isdalen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-50357\" width=\"852\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Weg-ins-Isdalen.jpg 600w, https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Weg-ins-Isdalen-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 852px) 100vw, 852px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Weg ins Isdalen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Leider zerschlug sich meine Hoffnung, dass meine F\u00fc\u00dfe sich in dieser Zeit erholen w\u00fcrden und nicht mehr nach sp\u00e4testens drei Stunden zu schmerzen beginnen, ziemlich schnell. So gestaltete sich jeder weitere Tag als Probe f\u00fcr meinen Willen, diese Tour zu gehen. Es tat weh, festzustellen, dass es nur mehr Wille war, der mich antrieb, und nicht die reine Freude am Unterwegssein und an der Natur. Ich wollte zunehmend nach Hause, in Sicherheit sein, nicht jeden Tag zur Zerrei\u00dfprobe werden lassen. Das von nun an schlechte Wetter trug nicht gerade zur guten Laune bei. Einen Lichtblick verschafften mir die Begegnungen in der Zeit ab Kilpisj\u00e4rvi.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon nach dem Passieren des Dreil\u00e4nderecks Finnland-Schweden-Norwegen (Treriksr\u00f6set genannt) traf ich die ersten Deutschen, eine Frau meines Alters mit ihrem Vater, mit denen ich gem\u00fctlich schnatternd den Abend auf der Gappohytta am Kamin verbrachte. Am n\u00e4chsten Tag machte ich mich auf den anstrengenden, aber sch\u00f6nen Weg durch das beeindruckende Isdalen zur Rostahytta. Dort angekommen wurde ich gleich schon von Sarah aus Hamburg empfangen, die ich bereits auf dem Boot von Kilpisj\u00e4rvi zum Treriksr\u00f6set getroffen hatte. Auf die Frage, wie es lief, erz\u00e4hlte ich ihr von meinen schmerzenden und teilweise tauben F\u00fc\u00dfen, worauf sie entgegnete \u201eIch bin Physiotherapeutin, das schau ich mir heut noch an. Aber erstmal bekommst du Fr\u00fcchtetee mit viel Zucker\u201c. Ihr Ernst? Ich war im Wandererhimmel \u2013 eine Physiotherapeutin auf der H\u00fctte, die mir auch noch Tee kocht! Weniger erfreulich war dann Sarahs Diagnose, es gebe Probleme mit meiner Lendenwirbels\u00e4ule. Der Schmerz w\u00fcrde also mit der Zeit nicht besser werden, im Gegenteil. Ihre haarstr\u00e4ubende Schmerzpunkt-Behandlung lie\u00df ich dann gern \u00fcber mich ergehen. Die anderen H\u00fcttenbewohner staunten nicht schlecht \u00fcber die br\u00fcllende, heulende Anni, die da auf der Sitzbank gequ\u00e4lt wurde. Danke Sarah!<\/p>\n\n\n\n<p>Die anderen waren Jonas aus den Niederlanden, Dagmar aus Karlsruhe und Solveig aus der N\u00e4he von Troms\u00f8. Mit ihnen bildete sich ein kleines Gr\u00fcppchen, das sich von nun an stets abends auf der H\u00fctte traf \u2013 und obwohl ich kein geselliger Typ bin, war ich froh dar\u00fcber, denn ich durfte hier unglaublich liebe, lustige Menschen kennenlernen. Tags\u00fcber bestritt jeder den Wandertag f\u00fcr sich. Auch war ich froh, so viele Abende in den gem\u00fctlichen norwegischen DNT-H\u00fctten verbringen zu d\u00fcrfen, die wirklich jedes Mal und jede immer anders \u201eHytteglede\u201c (frei \u00fcbersetzt: \u201cH\u00fcttenfeeling\u201d) aufkommen lassen. Von der Rostahytta ging es zur Daertahytta \u00fcber eine steinerne Ger\u00f6llw\u00fcste und den bisher h\u00f6chsten Punkt der Wanderung auf 1300 m.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\" id=\"attachment_31641\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Blick-ins-Anjavassdalen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Blick-ins-Anjavassdalen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-50361\" width=\"849\" height=\"566\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Blick-ins-Anjavassdalen.jpg 600w, https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Blick-ins-Anjavassdalen-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 849px) 100vw, 849px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausblick auf das Anjavassdalen in Nordnorwegen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Der Weg von der Daertahytta zur Dividalshytta war mit seinen 24 km in anspruchsvollem Gel\u00e4nde wieder einmal eine gro\u00dfe Herausforderung. Beim Wandern durch eine Senke mit zwei Seen kam das altbekannte Kautokeino-Feeling auf, als ich bis zur Wade im Sumpf einsank, dass es nur so schmatzte. Dieses Mal hatte ich jedoch meine sch\u00f6ne Bergans&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/regenhosen\/\">Regenhose<\/a>&nbsp;mit integrierten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/gamaschen\/\">Gamaschen<\/a>&nbsp;an \u2013 praktisch! Auch der eigentlich kurze Weg von der Dividalshytta zur Vuomahytta zeigte sich dem Nordkalottleden angemessen mit endlosem Moor im Birkenwald, vielen H\u00f6henmetern, fehlenden Markierungen und mit dem Divielva, der herausforderndsten Fluss\u00fcberquerung bisher. Eins ist sicher: Wenn auf dem Nordkalottleden eine Tagesetappe nur 12 Kilometer hat, dann ist da irgendwo ein Haken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Innset &#8211; Mein neues Ziel<\/h2>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit reifte in mir der Entschluss, die Tour abzubrechen. Die Traurigkeit, keinen Spa\u00df zu versp\u00fcren, hatte sich in pure Unlust gewandelt, und schon der blo\u00dfe Gedanke daran, den weiten Weg, den ich mir noch vorgenommen hatte, unter diesen Schmerzen zu gehen, l\u00f6ste in mir Widerwillen aus. Nicht einmal die f\u00fcnf Tage bis Abisko wollte ich noch wandern. Einfach raus \u2013 schnellstm\u00f6glich. Mit der Entscheidung, auf der Huskyfarm in Innset abzubrechen, breitete sich auch eine Erleichterung in mir aus. Ich wusste und wei\u00df, es war richtig so. Trotzdem hatte ich st\u00e4ndig das Gef\u00fchl, meine Entscheidung vor mir selbst rechtfertigen zu m\u00fcssen, gemischt mit einer gro\u00dfen Entt\u00e4uschung dar\u00fcber, dass einfach alles nicht so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es h\u00e4tte doch so sch\u00f6n sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\" id=\"attachment_31639\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Hytteglede-in-der-Daertahytta.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Hytteglede-in-der-Daertahytta.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-50365\" width=\"852\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Hytteglede-in-der-Daertahytta.jpg 600w, https:\/\/www.berg-freunde.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Hytteglede-in-der-Daertahytta-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 852px) 100vw, 852px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hytteglede in der Daertahytta.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Zwei Tage waren es noch bis zur Huskyfarm des Deutschen Bj\u00f6rn Klauer in Innset, wo ich mir selbst in der Vorbereitung der Tour ein Versorgungspaket hingeschickt hatte, um auch auf der zweiten H\u00e4lfte des Nordkalottleden mit genug gefriergetrocknetem Essen, Tee, Schokolade, Karten und vielem Wichtigem mehr ausgestattet zu sein, denn die Nachschubm\u00f6glichkeiten auf dem Nordkalottleden sind sp\u00e4rlich ges\u00e4t. Die Gaskashytta war die Endstation f\u00fcr unsere kleine Gruppe, denn auch Jonas war am Ende seiner Kr\u00e4fte. Da sieht man, was der Nordkalottleden mit einem anstellt \u2013 selbst Wanderer, die schon seit 16 Jahren jedes Jahr lange, anspruchsvolle Touren gehen, zwingt er in die Knie.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat uns alle geschafft, wir alle mussten k\u00e4mpfen. Doch hatten wir das Gl\u00fcck, ein St\u00fcck unseres Weges zu teilen, uns gegenseitig Mut zu machen und so jeden Tag wieder gest\u00e4rkt angehen zu k\u00f6nnen. In Innset angekommen, hatte ich kaum ein Auge f\u00fcr die dutzenden von Huskys und ihre H\u00fcttchen oder den idyllischen See, an dem die Farm liegt. Ich war einfach viel zu sehr mit mir selbst besch\u00e4ftigt. Der erste Stress fiel ab und es heulte nur so aus mir heraus, ohne dass ich genau wusste, warum eigentlich. Der Kampf war zu Ende, mein gro\u00dfes Abenteuer auch. Jeden Tag aufs Neue an seine Grenzen zu gehen, Schmerz zu verdr\u00e4ngen und harten Willen hervorzubringen, geht auf Tour nur auf begrenzte Zeit \u2013 so lang, bis man sich an seinem pers\u00f6nlichen Ziel w\u00e4hnt. Ist man da, merkt man erst einmal, welch mentale Leistung man da vollbracht hat. Es sammelt sich so viel an, wie in einer verstopften Regenrinne. Irgendwann l\u00f6st sich der Pfropfen und alles \u00fcberschwemmt einen; nicht nur psychisch, sondern auch physisch. Drei Tage nach meinem Abbruch wurde ich richtig krank. Mein K\u00f6rper wollte mir wohl sagen: Frollein, das war ein bisschen zu viel. Eins steht fest: die n\u00e4chste Tour wird entspannter und leichter \u2013 in jeglicher Hinsicht!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Fazit nach 400 Kilometer &#8211; ohne Schatten kein Licht<\/h2>\n\n\n\n<p>Fast 400 Kilometer legte ich in knappen drei Wochen zur\u00fcck, und trotz dieser Leistung, die mir selbst auf die Fahnen schreiben darf, bleibt ein bitterer Beigeschmack, wenn ich heute an mein Abenteuer zur\u00fcckdenke. Ich hatte Gro\u00dfes vor und viel daf\u00fcr investiert, und doch kann man absolut nicht planen, wie der Weg f\u00fcr einen sein wird. Doch ich durfte wertvolle Erfahrungen sammeln: Ich wei\u00df, wie eine Tour f\u00fcr mich nicht sein soll und was sie f\u00fcr mich zum Genuss macht. Ich wei\u00df jetzt: Wenn es keinen Spa\u00df mehr macht, h\u00f6r auf damit (gilt f\u00fcr fast alles im Leben). Ich wei\u00df, wie brachial ich k\u00e4mpfen kann, dass ich einfach alles gegeben habe. Besser h\u00e4tte ich es nicht machen k\u00f6nnen und das ist gut so. Ich wei\u00df wie es ist, eine gro\u00dfe Tour \u00fcber ein halbes Jahr zu planen, drauf hinzuarbeiten und einfach allein loszugehen. Und ich wei\u00df, dass f\u00fcr jede schlechte Tour auch wieder eine richtig gute kommt. All dies ist mir sehr viel wert, und auch wenn es mal nicht optimal l\u00e4uft, kann ich nur jedem empfehlen, an einem gro\u00dfen Wunsch festzuhalten und es einfach zu versuchen. Wer gar nicht losgeht, kann auch nicht ankommen \ud83d\ude42 In diesem Sinne: God tur!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nordkalottleden \u2013 was, wo, warum? Jeder, der sich schon mit dem Wandern in Skandinavien abseits des Kungsleden besch\u00e4ftigt hat, ist sicher mindestens einmal auf ihn gesto\u00dfen \u2013 den Nordkalottleden. 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