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Poncione d’Alnasca – “Dreaming of Yosemite”

Inhaltsverzeichnis

Neue Bigwall-Routenkombination – Poncione d’Alnasca „Dreaming of Yosemite“ 515 m, 7a+ A3+

Die Südwand des Pocione d'Alnasca. Die Bigwall-Route "Dreaming of Yosemite" ist rot eingeszeichnet.
Die Südwand des Poncione d’Alnasca mit der Routenkombination Dreaming of Yosemite (rot). Foto F. Miller

„Dreaming of Yosemite“ führt auf einer Länge von gut 500 Metern durch den linken, kompakten Teil der Südwand des Poncione d’Alnasca (2301 m). Die Routenkombination besteht aus drei Abschnitten. Jeder Teil hat seinen eigenen Charakter, in der Summe ergibt sich eine tolle Linie, die für Spannung, Abwechslung und beeindruckende Tiefblicke steht.

Der Fels – augenscheinlich eine Mischung aus Gneis und Granit – ist fast durchgängig von hoher Qualität, das Ambiente einfach großartig. Wer von den Bigwall-Routen des Yosemite Valleys träumt, ist auch hier am richtigen Ort!

Charakter der Route

Bigwallkletterer am Ponicione d'Alnasca.
Himmelsfinger, 10. SL. Dreaming of Yosemite führt rechts davon nach oben. Foto F. Miller

Der erste Teil der Routenkombination führt über die Techno-Route „Himmelsfinger“ bis zu ihrem 8. Stand (die Originalroute zieht hier nach links). Charakteristisch für diese Route: immer wieder lange Bat-Hook-Passagen in absolut glatten Platten, als Verbindung zwischen natürlichen Strukturen.

Im zweiten, neu erschlossenen Teil überwiegt granittypische Aid-Kletterei, gewürzt mit Freikletterpassagen. Nach zwei sehr anspruchsvollen Seillängen wird das Gelände einfacher und in der folgenden Seillänge trifft man auf die Freikletterroute „Leap of Faith“. Der dritte Teil bietet nochmals schöne Kletterei – vor allem die 13. SL (7a) ist ein wahres Highlight!

Erstbegehung

Die komplette Route – Poncione d’Alnasca, Dreaming of Yosemite – Fototopo

Die erste Seillänge wurde in den 80er-Jahren von Marco Pedrini erstbegangen, ein Teil der zweiten Seillänge im Jahr 1993 von P. und G. Brenna (gem. Kletterführer „Ticino e Moesano“, Glauco Cugini 2007). 2001 eröffneten Lars Hofer und Urs Waldispühl über diesen Einstieg die Route „Himmelsfinger“, welche sich im oberen Wandteil nach links in Richtung Südwestkante orientiert.

So ergab sich unter anderem eine spektakuläre Quergangseillänge (SL 10). Hier kreuzt seit dem Jahr 2016 die Freikletterroute „Leap of Faith“.

Bereits 2015 begann ein Team um den bekannten Alpinisten Matteo Della Bordella mit dem Einrichten dieser neuen Route. Sie startet weit links in der Wand und hält sich in der Folge immer rechts, bis sie schließlich ebenfalls an der Südwestkante endet. Die erste Rotpunktbegehung glückte Matteo Della Bordella und Allesandro Zeni 2020 (Schwierigkeiten bis 8a+/b).

„Dreaming of Yosemite“ verbindet diese beiden Routen mit zweieinhalb neuen Seillängen zu einer direkten Linie. Die erste Begehung der Kombination erfolgte durch Fritz Miller und Michaela Schuster vom 27.–28. Mai 2022.

Zustieg

Von Motta (ca. 625 m) im Val Verzasca in ca. 3 h zum Bivacco Scorpion / Cort do Mött (1707 m). Von dort in einer weiteren Stunde zum Einstieg (markanter Riss unterhalb des großen Dachriegels des linken Wandteils). Eine detaillierte Beschreibung findet man u. A. in den folgenden Kletterführern:

  • Extrem Sud, Edition Filidor
  • Ticino e Moesano, Club Alpino Svizzero
  • Kanton Tessin, Hohe Wände, Versante Sud
Die letzten Meter zum Gipfel.
Die letzten Meter zum Gipfel. Foto M. Schuster

Abstieg

Vom Ausstieg der Route entlang der Südwestkante zum Gipfel (10 min). Danach gibt es verschiedene Abstiegsoptionen:

  1. Fußabstieg nach Alnasca (Brione) über markierten Wanderweg. Ab ca. Mitte Mai empfehlenswert (Schneesituation beachten). Von dort z. B. mit dem Bus zurück zum Ausgangspunkt. Siehe auch: Schweizer Landeskarte 1:25000 1292 Maggia.
  2. Fußabstieg zur Scharte zwischen Alnasca und Föpia und weiter nach Süden (Schlucht, teilweise Fixseile – Schneesituation beachten).
  3. Zurück zum Ausstieg und abseilen über die Routenkombination. Die erste Abseilstelle befindet sich etwas unterhalb des Ausstiegs. Möglich aber mühevoll (teilweise überhängende Wand und schräger Routenverlauf).
  4. Zurück zum Ausstieg und abseilen komplett über „Leap of Faith“. Die erste Abseilstelle befindet sich etwas unterhalb des Ausstiegs. Möglicherweise angenehmer als Variante 3.

Bewertung und Ernsthaftigkeit

Überhang im Mittelteil der Route Dreaming of Yosemite
Die Wand ist im Mittelteil konstant überhängend. Foto M. Schuster

Die Bewertung der technischen Kletterei orientiert sich an der amerikanischen New-Wave-Skala.

Die Bewertung des ersten Teils („Himmelsfinger“ bis SL 8) ist 5 A3. Hier sind immer wieder längere Abschnitte an Bat-Hooks zu klettern, ohne die Möglichkeit, Zwischensicherungen anzubringen.

In der 8. Seillänge, auf dem Weg zum zweiten Bohrhaken, ist ein größerer Sturz aufs darunterliegende Band möglich. Die Bohrhaken der Route „Himmelsfinger“ sind von unterschiedlicher Qualität – teilweise handelt es sich um Bohrkronen mit Alu-Lasche (Stand 05/22).

Die Bewertung des zweiten Teils ist 5 A3+. Die Kletterei ist hier deutlich schwieriger als im ersten Teil und beinhaltet heikle Cliffzüge. Es lassen sich jedoch immer wieder gute Sicherungen anbringen. Die Standplätze und einzelne Zwischensicherungen wurden mit 8-mm-Bohrhaken eingerichtet.

Am Quarzüberhang der 9. SL wurde zudem ein BAT-Hook-Loch (8 mm) gebohrt. Die Bewertung des dritten Teils ist 7a+ (Bewertung der Erstbegeher). Die Absicherung mit Bohrhaken ist minimalistisch und insbesondere in der 13. SL (6b) muss mit großer Vorsicht geklettert werden.

Begehungszeit

Für eine Begehung vom Tal zum Gipfel und zurück sind ca. vier Tage einzuplanen, davon zwei bis drei Tage Kletterzeit.

Biwaks

Ausgangspunkt ist das Bivacco Scorpion.
Ausgangspunkt ist das Bivacco Scorpion. Foto F. Miller

Der beste Ausgangspunkt für eine Begehung der Südwand ist das Bivacco Scorpion. Ein Biwak direkt am Wandfuß ist aufgrund der Steinschlaggefahr nicht empfehlenswert (es gab dort wohl auch schon Probleme mit aufdringlichen Ziegen).

In der Wand finden sich mehrere geeignete Biwakplätze:

  • Am 5. Stand: geschützter Platz unterhalb eines Daches, bequemes Band, Portaledge empfehlenswert.
  • Am 7. Stand: geschützter Platz unterhalb des großen Dachs, bequemes Band, regensicher. Biwak auch ohne Portaledge gut möglich.
  • Am 8. Stand: bequemer Platz, Portaledge empfehlenswert.
  • Am 11. Stand (13. Stand „Leap of Faith“): bequemer Platz, Portaledge empfehlenswert.

Wasser

Im Aufstieg zum Bivacco Scorpion, ca. 10 min. bevor man dieses erreicht, befindet sich rechts des Pfads ein blaues Fass mit Wasserhahn. Es befindet sich im Bachlauf und ist von unten kommend gut zu sehen.

Außerdem fließt ein kleiner Bach aus der Schlucht zwischen Poncione d’Alnasca und Föpia. Und auch im Abstieg nach Alnasca kommt man immer wieder an Wasserstellen vorbei.

Am Abend auf dem Gipfel des Poncione d'Alnasca
Am Abend am Gipfel des Poncione d’Alnasca. Foto F. Miller

Routenbeschreibung (die einzelnen Seillängen)

Blick nach unten von der neunten Seillänge.
Tiefblick in der 9. SL. Foto F. Miller

1.–8. SL: Siehe Topo der Route Himmelsfinger

9. SL: 40 m, A3+ und 4. Gerade hoch zu BH und weiter über feine Rissverschneidung (1 NH) bis unters Dach. Nach rechts queren (1 NH). Feine Rissschuppe hinauf, dann nach rechts über Platte (Hooks) zu BH. Den Quarzüberhang in Rechtsschleife überwinden (1 x Bat-Hook 8 mm) und weiter zu Stand an 2 BH. Haken, Keile, Cams bis #1.

10. SL: 30 m, A3+ und 5. In kurzer Freikletterei nach rechts, dann hoch zu BH (Hooks). Über Rissspur zu kleinem Dach, dieses überwinden und gerade hoch zu BH (Hooks). Linkshaltend über Rissspur empor bis zu kleinem Band und in kurzer, freier Kletterei nach rechts queren zu Stand an 3 BH. Haken, Keile, Cams bis #1, 1 x Cam #3, Camhook (optional).

11. SL: 35 m, 6a+ und A1. Leicht linkshaltend empor (kurz A1), dann gerade hoch in freier Kletterei zu BH in weißer Platte (ca. 15 m). Weiter über die Route „Leap of Faith“ (2 weitere BH) zu Stand an 2 BH. Cams #0.2 – 3.

12. SL: 40 m, 6b. Gerade hoch (steile Wand), dann immer rechtshaltend in einfacher Kletterei zu Stand an 2 BH. Achtung, loser Fels! Cams #0.2 – 3.

13. SL: 30 m, 7a. Dem breiten Riss folgen bis zu Absatz (Cam #5 empfehlenswert). Dann linkshaltend zu BH, weiter hinauf zu 2. BH und zuletzt nach rechts zum Stand an 2 BH. Cams #0.2 – 1.

14. SL: 20 m, 7a+. Über Fingerriss zum Dach, dann nach rechts (1 BH) und hoch zu Zwischenstand (2 BH). Von dort linkshaltend (loser Fels) zum letzten Stand an der Südwestkante (2 BH an Block, zweifelhafte Felsqualität). Cams #0.2 – 3.

Empfohlenes Material (Hardware)

Tolle Freikletterei in der 13. Seillänge
Tolle Freikletterei in der 13. SL. Foto M. Schuster
  • 1 x Cam BD C3 #00 o. Ä.
  • 2 x Cam #0.1 – 2
  • 1 x Cam #3 – 4
  • 1 x Cam #5 (optional, für den breiten Riss der 13. SL)
  • Offsetcams BD Z4 #0.3 – 0.75 o. Ä.
  • Tricams Camp Gr. 0.25 – 1.5
  • Ballnuts Gr. 2 – 4
  • Offset Micro Nuts DMM Gr. 2 – 6
  • Offset Nuts DMM Gr. 7 – 10
  • Rocks Gr. 1 – 5
  • 3 Knifeblades (versch. Größen)
  • 3 Lost Arrows (versch. Größen)
  • 3 Profilhaken (versch. Größen)
  • 2 Angles abgesägt/Baby Angles (die 2 kleinsten von Cassin)
  • 9 Beaks (3 x groß, 3 x mittel, 3 x klein)
  • 2 x Talon
  • 2 x Grappling Hook
  • 2 x Camhook narrow (optional)

Weiteres Material

  • 50-m-Seile + 10 m Lower-Out-Line für die Haulbags
  • Sitzbrett (optional)
  • Portaledge (optional)
  • Kletterschuhe + Chalkbag für die letzten vier Seillängen

Risskletterhandschuhe für die letzte Seillänge (optional)

Dafür lohnt es sich - die letzten Sonnenstrahlen am Gipfel.
Die letzten Sonnenstrahlen am Gipfel. Foto F. Miller

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Bergfreund Fritz

Bergfreund Fritz

Zum Klettern und Bergsteigen kam ich, weil etwas wie eine große Faszination für die steile Welt in mir verankert ist (und durch ein paar Zufälle). Sicher ist es zu viel zu früh für ein Fazit. Aber wenn ich auf meine mittlerweile rund 25 Kletterjahre zurückblicke, denke ich, dass ich den Bergen und Wänden viel zu verdanken habe.

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