Shop

Auf Hüttentour im Allgäu

Inhaltsverzeichnis

Wer das Allgäu noch nicht persönlich kennt, wird Bilder der Idylle und Gemütlichkeit damit verbinden. Romantische Bauernhäuser und Kirchtürmchen, tiefer Bergwald mit idyllischen Almen, und Voralpenberge hinter blauen Seen. In der Tat ist das alles zutreffend und auch wirklich schön. Sehr einladend und ideal für Familien und Erholungssuchende. Aber mal ganz ehrlich, zwei oder mehr Tage dort wandern mit Übernachtungen auf Hütten? Ist das nicht etwas übertrieben oder vielleicht auch ein ganz klein bisschen langweilig?

Das Allgäu – ein Reiseziel mit vielen Facetten

Ganz und gar nicht! Wenn du die hinteren Täler und die Hauptkämme einbeziehst, wirst du überrascht sein, wie viele beeindruckende Szenerien es zu bestaunen gibt. Hochvogel, Höfats, Schneck, Krottenkopf, Trettach und Widderstein sind Beispiele für “richtig” wilde Alpengipfel. Hier und da beeindrucken sogar Zweite-Reihe-Berge wie Rubihorn, Rappenköpfle und Himmelhorn mit steilen Wänden und schroffen Formen.

Hütte im Allgäu mit Kuh
Idyllisches Allgäu

Es ist also auch für diejenigen Bergfreunde genug da, die eher “Kick” und Abenteuer als Idylle und Erholung suchen. Und weil im Allgäu viele Hütten mit schöner Lage oberhalb der Waldgrenze glänzen, drängen sich mehrtägige Hüttentouren fast schon auf. Die meisten dieser Hütten sind komfortabel ausgebaut und perfekt in das dichte Netz der Wanderwege eingebunden. Deshalb kannst du sie problemlos in einer Tour verbinden und kommst bei einer Hüttenwanderung im Allgäu weit herum und hoch hinaus. Außerdem erlebst du Eindrücke, die eine Tageswanderung nicht bieten kann, wie die Sonnenauf- und -Untergänge hoch oben zwischen den Gipfeln.

Die folgende kleine, aber feine Allgäuer Hüttentouren-Auswahl ist so zusammengestellt, dass jeweils mehrere Optionen für alle dabei sind, vom Anfänger über Familien bis hin zu alten Alpinhasen. Außerdem decken sie das Allgäu so ab, dass viele seiner sehr verschiedenen und besonderen Landschaften zu sehen sind – vom schroffen Hauptkamm über die verborgene Allgäuer Südseite und die eleganten Steilgrasberge bis zum einmaligen Gottesacker über dem Kleinwalstertal. Wir starten bei 2-Tages-Touren mit einer Hüttenübernachtung und steigern uns auf bis zu 6 Tage mit 5 Übernachtungen.

Die Höchste: Hermann von Barth Hütte, Hüttentour für 2 Tage (oder mehr)

Die höchstgelegene Schutzhütte des Allgäus befindet sich “hinter” dem Allgäuer Hauptkamm auf der ursprünglicheren Seite der Berge in Österreich – wie übrigens auch der höchste Allgäuer Berg, der Große Krottenkopf mit seinen 2656 Metern. Ein nach oben hin mittelschwerer Wanderweg führt von Elbigenalp im Lechtal in gut 1000 Höhenmetern und etwa drei Stunden zur 2131 Meter hoch gelegenen Hütte. Dank Taxiservice bis zur Talstation der Materialseilbahn kann diese Tour um 400 Höhenmeter abgespeckt werden.

Allgäu bei Sonnenuntergang
Genießen sie traumhafte Sonnenuntergänge

Die Hütte lädt mit sonniger Südhanglage, alpiner Umgebung und toller Aussicht auf die Lechtaler Alpen zur Übernachtung ein. Am Folgetag nimmt man eine der erstklassigen Tourenmöglichkeiten unter die Sohlen oder tritt den Rückweg ins Tal an. Für Letzteres empfiehlt sich die Variante durch das Bernhardstal. Eine sehr empfehlenswerte Fortsetzungstour für Geübte ist der Enzensberger Weg. Er führt von der Hermann von Barth Hütte über die beeindruckend gezackte Hornbachkette ins gleichnamige Nachbartal nach Hinterhornbach. Eine gute Wegbeschreibung findet sich im Bergsteiger-Magazin.

Eine weitere Top-Tourenoption ist der Übergang zur Kemptener Hütte. Auf diesem drei- bis vierstündigen Höhenweg im Herzen der Allgäuer Alpen lässt sich der Große Krottenkopf in einem etwa zweistündigen Abstecher “mitnehmen”. Für einen genussreichen und stressfreien Tourenausklang empfiehlt sich die Übernachtung auf der Kemptener Hütte.

Die Kinderfreundliche Hüttenwanderung: 2 Tage Schwarzwasserhütte (mit Option Ifen und Gottesacker)

Die Schwarzwasserhütte verzaubert mit ihrer romantischen Lage am Ende des gleichnamigen Seitentals des Kleinwalsertals. Sie ist von der Talstation der Ifenbahn aus in zwei Stunden über einen überwiegend leichten, erst gegen Ende schmalen und steileren Weg zu erreichen. Besonders einladend für Kinder ist die Hütte wegen dem Spielplatz und dem nebenan plätschernden Bach. Den Älteren bieten sich gemütliche Plätze zum Verweilen, gutes Essen und reichlich Übernachtungsmöglichkeiten.

Am zweiten Tag bietet die einstündige Wanderung zum aussichtsreichen Steinmandl (1982 m) eine kinderfreundliche Option. Die Klassiker-Option ist die Überschreitung des Hohen Ifen. Ihre 600 Höhenmeter sind moderat, die etwas ausgesetzten Passagen sind seilversichert und nicht allzu lang. Für Kinder ist das eher nichts, doch für Teenager, die schon Ausdauer und Geschick am Berg gezeigt haben, kann die Tour wegen ihrer Kürze und Abwechslung sehr interessant sein. Eine Beschreibung mit GPS-Track findet sich auf Bergwelten.com.

Die Aussicht vom Ifen-Gipfel ist mit ihren Blicken über die rauen Karstrücken des Gottesackerplateaus einzigartig. Der Abstieg zur Bergstation der Ifenbahn ist nach nur 230 Höhenmetern geschafft. Hier gibt es vier Möglichkeiten:

Mann und Kind auf Hüttentour im Allgäu
Im Allgäu mit der Familie wandern
  • hinein in die Gondel und hinab zur Talstation im Schwarzwassertal
  • hinauf auf einen der beiden Karstrundwege im Gottesackerplateau
  • hinüber über fast das ganze Plateau, um an der Gottesackeralpe rechts hinunter nach Hirschegg abzusteigen.
  • der direkte Abstieg entlang der Seilbahntrasse zur Talstation.

Hinweis: Diese Tour verläuft durch ein Wildschutzgebiet, das im Winterhalbjahr gesperrt ist.

Der Grenzgang: 4 Tage (oder weniger) für Einsteiger und Familien

“Grenzgang” klingt nach Herausforderung für Extreme, doch der Weg ist ganz entspannt und trägt den Namen wegen seines Verlaufs entlang der Staatsgrenze und des Kamms der Schafalpen. Als Start- und Zielpunkt dient in aller Regel die Tal- oder Mittelstation der Fellhornbahn bei Oberstdorf.

Beliebt ist die Grenzgang Hüttentour bei Einsteigern und Familien nicht nur wegen der überschaubaren Schwierigkeiten, Höhenmeter und Tagesetappen, sondern auch wegen der tollen Ausblicke auf den Allgäuer Hauptkamm und den beeindruckend vielen (geschützten) Tier- und Pflanzenarten.

Hütte bei Oberstdorf
Hütte bei Oberstdorf

Bei der Begehung von Nord nach Süd ist die Fiderepasshütte die erste Übernachtungsstation nach etwa 2,5 Stunden und gut 600 Bergauf-Höhenmetern von der Fellhornbahn Mittelstation. Der zweite Tag führt über die etwas ausgesetzte, aber auch für Anfänger durchaus machbare “Schlüsselstelle” am Fiderepass zur Mindelheimer Hütte. Die südliche Endstation ist am dritten Tag mit der eindrucksvoll gelegenen Widdersteinhütte erreicht. Von dort sind es etwa 2,5 Stunden hinunter nach Mittelberg im Kleinwalsertal. Deutlich länger dauert der Rückweg nach Oberstdorf, weshalb man ihn mit einer weiteren Übernachtung auf der Rappenseehütte zum verlängerten Ausklang machen sollte.

Will man mit nur einer Übernachtung erst einmal am Hüttenleben und am Grenzgang schnuppern, eignet sich die Fiderepasshütte optimal. Sie bietet neben der schönen Umgebung mit Blick auf die nahen Grenzgang-Gipfel mehrere unschwierige Wegoptionen für den Auf- und Abstieg.

Auf der Homepage der Gemeinde Oberstdorf finden sich auführliche Infos über Weg, Hütten und Varianten.

Der Steinbockweg: Allgäuer Alpen total in bis zu 6 Tagen

Auf den Pfaden der Erstbesteiger und Pioniere führt diese Traumtour über den Allgäuer Hauptkamm und durchs Revier der größten Steinbockpopulation Deutschlands. Auf der “originalen” Route, die den Heilbronner Höhenweg einschließt, geht es über weite Strecken erfreulich ruhig und abgeschieden zu.

Der erste Tag dieser Hüttentour im Allgäu führt von der Busendstation Birgsau im Stillachtal hinauf zur Rappenseehütte. Über den Heilbronner Weg, der als Steig über mehrere der höchsten Allgäuer Gipfel führt, geht es anderntags in langen 15 Kilometern und neun Stunden zur Kemptner Hütte.

Der Weg am dritten Tag führt in vergleichsweise gemütlichen vier Stunden zur Hermann von Barth Hütte (s.o.). Von dieser nutzt man den (hier weiter oben schon vorgestellten) Enzensberger Weg und kann in Hinterhornbach eine gemütliche Übernachtung im Gasthof einlegen.

Gut erholt geht es dann an Tag fünf die 1000 Höhenmeter zum Fuchsensattel hinauf und an der Gipfelpyramide des Hochvogels (der natürlich “mitgenommen” werden kann) entlang zum Prinz Luitpold Haus.

Von dort aus nimmt man am sechsten und letzten Tag noch den markanten Glasfelder Kopf oder das Himmelhorn mit, das beim langen Abstieg nach Oberstdorf am Weg liegt. Ein kürzerer Abstieg führt ins Hintersteiner Tal Richtung Bad Hindelang.

Alternative Wanderrouten für den Steinbockweg

Auch diese Tour kann abgekürzt oder variiert werden, vor allem, da man mit Hinterhornbach an Tag vier einen Talort erreicht (Ende Mai bis Anfang Oktober per Linientaxi ans Lechtal angeschlossen). Wer direkt zurück nach Oberstdorf möchte, steigt an Tag drei von der Kemptener Hütte nach Spielmannsau ab.

Weitere Infos zu dieser “originalen” Route finden sich auf der Homepage der Bergschule Oberallgäu. Eine zwar ebenfalls sechs Tage lange, jedoch gänzlich anders verlaufende Steinbocktour schlägt das Outdoor-Magazin vor.

Vilsalpsee Tannheim im Allgäu
Aussicht auf den Vilsalpsee bei Tannheim

Neben diesen Vorschlägen gibt es im Allgäu zahllose weitere Hüttentouren für jeden Geschmack, in jeder Länge und auf jedem Level von leicht bis anspruchsvoll. Da ich die Länge dieses Beitrags begrenzen muss, habe ich nicht alle besonderen und sehenswerten Ecken des Allgäus untergebracht. In einer vollständigen Auswahl müssten mindestens noch die Tannheimer Berge und die geologisch besondere Nagelfluhkette dabei sein. Auch dort warten viele Hütten mit sehenswerter Umgebung auf Wanderer und Übernachtungsgäste.

Vier Tipps zum Ausklang

  • Im Sommer sind Allgäuer Hütten meist ausgebucht, gerade auch die mit vielen Betten. Deshalb hat man nur bei frühzeitig im Voraus erfolgter Onlinebuchung einen Übernachtungsplatz sicher.
  • Da die Bezahlung von Speisen und Getränken oft nur mit Bargeld möglich ist, sollte ausreichend Vorrat in der Brieftasche sein.
  • Wichtig ist bei einer Mehrtagestour vor allem der Rucksack! Bei mehrtägigen Touren wird der Unterschied zwischen einem simplen Wanderrucksack und einem Mehrtagesrucksack spürbar. Letzterer bietet ein größeres Volumen von etwa 40 Litern, gepolsterte Schultergurte und einen (passend eingestellten) Hüftgurt, was eine bessere Verteilung des Gewichts und angenehmeres Tragen erlaubt.
  • Unsere durchdachte Packliste würde dir bei der Planung deiner kommenden Hüttentour im Allgäu gern behilflich sein.

Mehr erfahren? Hört in unserer Podcast Folge rein:

Teile den Artikel mit anderen Bergfreunden

Bergfreund Stephan

“Flat is boring”, dachte ich mir als Kind des Flachlands immer. Bergsport war die Lösung des Problems. Aber nicht aller Probleme, wie ich beim Durchwursteln der Disziplinen von Bouldern bis Hochtouren herausfand. “Egal”, dachte ich mir und fühle mich heute bei alpinen Touren mit leichtem Gepäck sauwohl.

Schreib uns einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Entdecke die passenden Produkte im Bergfreunde.de Shop

Diese Artikel könnten dir auch gefallen