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Richtige Pflege von GORE-TEX-Schuhen
GORE-TEX® Schuhe pflegen

Manchmal sind die Touren, die man bei widrigem Wetter geht, die Besten! Der eroberte Gipfel zählt gefühlt doppelt, wenn man den Berg bei Wind und Wetter hinauf ist. Moderne Bekleidung macht schlechtes Wetter erträglicher. Gerne greift man dabei auch zu wasserdichten GORE-TEX® Schuhen, denn nasse Füße, das geht mal gar nicht.

Doch jetzt sind wir zurück, die Schuhe verdreckt und die ersten Fragezeichen im Anmarsch. Wie soll ich denn jetzt meine Schuhe behandeln? Imprägnieren oder kräftig einfetten? In der letzten GORE-TEX® Schulung für das Team von Bergfreunde.de habe ich die Infos mitgeschrieben. Denn eigentlich ist es ja ganz einfach…

Funktionsweise der Schuhe

Für das bessere Verständnis ist es gut, sich über den Aufbau eines GTX-Schuhes im Klaren zu sein. Wer versteht, wie die einzelnen Lagen zusammenspielen, sieht auch die Funktionsweise des Gesamtsystems. Der grundlegende Aufbau der drei GORE-Materialgruppen für Schuhe (GORE-TEX® Extended Comfort, GORE-TEX® Performance Comfort und GORE-TEX® Insulated Comfort) ist gleich. Erläutern möchte ich diesen am Beispiel von GORE-TEX® Performance Comfort Schuhen.

GORE-TEX Schuh Aufbau
Aufbau eines GORE-TEX® Schuhs

Zunächst ein Hinweis: GORE-TEX® stellt selbst keine Schuhe her – das übernehmen Hersteller wie etwa Garmont, La Sportiva, Salewa, The North Face oder Salomon uvm.. GORE verfügt “nur” über das Wissen zur richtigen Entwicklung und Verarbeitung der Membran.

Die GORE-TEX® Membran ist dabei von außen gesehen die dritte Schicht nach einem Obermaterial (z.B. Leder) und einem sog. Schutzgewirke. Unter der Membran sind sodann die Isolationsschicht sowie ein Innenfutter eingebracht.

Aufgabe der Membran ist es, Wasser von außen zu blocken – der Schuh wird dauerhaft wasserdicht. Gleichzeitig kann aber Schweiß in Form von Wasserdampf nach außen gelangen. Grund: die Größe von “Dampf-Tropfen” sind viel kleiner als Wassertropfen und passen somit durch die gitterartige Struktur der Membran hindurch. Wie genau das funktioniert, erläutern wir mal in einem eigenen Artikel. Die beiden äußeren Schichten dienen v.a. zum Schutz der Membran. Natürlich trägt das Obermaterial sehr zur Charakteristik des Schuhs sowie dessen Grad an Atmungsaktivität bei.

Die Schuhe reinigen und pflegen

GORE-TEX La Sportiva Wanderschuhe aus Leder und Textil
Leder + Textil + GORE-TEX® = ?

Bei der Pflege gilt es also, sowohl an das Obermaterial als auch die Membran zu denken. Die Membran jedoch funktioniert aufgrund ihrer physikalischen Struktur und ist außerdem, gut eingeklemmt zwischen den anderen Schichten, nicht für den Besitzer erreichbar. Sie benötigt folglich keine spezielle Pflege. Mehr noch: laut GORE-TEX® schadet kein Pflegemittel der Membran. Hier also schon mal Entwarnung: alles ganz einfach!

Geht es um das Außenmaterial, verweist GORE-TEX® stets auf die Pflegehinweise des Schuhherstellers. Dieser gibt in der Pflegeanleitung Hinweise, wie das verwendete Material für eine möglichst lange Lebensdauer zu behandeln ist. Es leuchtet ein, dass Leder hier andere Anforderungen stellt als textiles Gewebe – obwohl beides mal zwei Schichten darunter eine GORE-TEX® Membran liegen kann. Nie falsch liegt man jedoch, wenn man mit einem Tuch oder einer Bürste sowie lauwarmem Wasser die Schuhe von Schmutz befreit. Will man später die Imprägnierung der Schuhe erneuern, ist dies sogar absolut notwendig.

Einen Hinweis gibt GORE-TEX® jedoch noch: stark fett- oder ölhaltige Produkte wie Fettcreme oder Lederöl sollten vermieden werden. Zwar schaden diese der Membran nicht (man müsste ohnehin schon extrem viel Öl extrem fest reinreiben, dass dieses bis zur Membran gelangt), verändern aber die Atmungsaktivität des Obermaterials negativ. Denn die Poren des Leders werden durch eine solche Behandlung zunehmend verstopft. Was bei Lederschuhen ohne Membran hilft, die Schuhe wasserdicht zu machen, würde bei Membran-versehenen Schuhen dazu führen, dass auch von innen nach außen kein Feuchtigkeitsaustausch mehr möglich ist, da sich das Wasser dann quasi zwischen Membran und Außenmaterial staut und nicht abtransportiert werden kann.

Wie aber sieht es aus, wenn die Schuhe irgendwann einmal nach Käserei riechen, mit Matsch vollgelaufen sind oder einfach so auch von innen her nicht mehr ganz so salonfähig daherkommen? Eine Innenreinigung von Schuhen (egal ob mit oder ohne GORE-TEX®) ist immer so eine Sache für sich. Das grundsätzliche Problem ist hierbei die Trocknung, die auf jeden Fall sichergestellt werden muss. Aber fangen wir vorne an. Ein absolutes No-Go ist es, Schuhe in der Waschmaschine zu waschen. Das schadet nicht nur den Materialien, sondern auch der Struktur und Form der Schuhe. Je nach Verschmutzung gibt es daher verschiedene Möglichkeiten das Problem in den Griff zu bekommen.

  • Verdreckte Schuhe
    Ist man draußen unterwegs, kann es schon mal vorkommen, dass man förmlich den halben Wald in den Schuhen einsammelt, aus Versehen in eine tiefe Schlammlache tritt oder sonst irgendwie Dreck ins Innere der Schuhe gelangt. Verschmutzungen dieser Art kann man vergleichsweise leicht entgegenwirken. Sofern möglich, sollte man hierzu zunächst einmal die Innensohle herausnehmen. Ist diese stark verdreckt, kann sie problemlos mit einer Bürste oder lauwarmem Seifenwasser gereinigt werden. Haben sich Sand, Erde und Laub bzw. Tannennadeln in den Schuhen gesammelt, ist es wichtig, dass die Schuhe gut ausgeschüttelt werden. Ist das Innere der Schuhe schlimmer verschmutzt, kann man auch hier mit einer kleinen Bürste oder einem feuchten Lappen gegen den Dreck vorgehen. Je weniger Wasser dabei zum Einsatz kommt, desto besser. Aus diesem Grund sollte man die Schuhe auch nicht mit Wasser volllaufen lassen oder im Wasser einweichen. Hat man die Schuhe gereinigt ist es wichtig, dass sie vor dem nächsten Gebrauch wieder gut getrocknet werden. Am einfachsten geht das, indem man die Schuhe möglichst weit geöffnet an einen warmen Ort stellt. Die Innensohle wird außerhalb des Schuhs getrocknet. Direkte Hitze, wie beispielsweise durch einen Ofen oder eine Heizung kann den Schuhen allerdings schaden und sollte daher vermieden werden.
  • Stinkende Schuhe
    Spätestens wenn es nach dem Ausziehen der Schuhe so riecht, als hätte man einen überreifen Romadur ausgepackt, ist es ratsam, eine umfassende Reinigung der Schuhe vorzunehmen. Dabei ist es aber wichtig zu verstehen, wie es zur Geruchsbildung in Schuhen kommt. Der Gestank bei Schuhen oder auch bei Käsefüßen kommt nicht vom Schweiß selbst, sondern von den Bakterien, die den Schweiß und abgestorbene Hautpartikel zersetzen. Aus diesem Grund muss man primär versuchen, die Bakterien wieder loszuwerden. Mit antibakteriellen Pflegemitteln bekommt man dieses Problem jedoch recht schnell in den Griff und schadet obendrein der GORE-TEX Membran nicht. In der Regel handelt es sich bei Pflegemitteln dieser Art um ein Spray, das einfach ins Innere der Schuhe gesprüht wird. Die Geruchsbildung von Schuhen kann außerdem vermieden werden, indem man Socken trägt, die einen guten Feuchtigkeitstransport zulassen. Darüber hinaus empfiehlt es sich, Schuhe nach dem Gebrauch immer zu trocknen und an einem gut durchlüfteten Ort zu lagern.

Also auch hier: Entwarnung, denn es ist alles ganz einfach. Egal ob GORE-TEX® drin ist oder nicht – es gelten für das Obermaterial die Hinweise der Schuhhersteller. Einzige Ausnahme: mit Fett oder Öl schmieren wir die Poren des Außenmaterials zu und vermindern so die Atmungsaktivität des Gesamtwerkes.

Imprägnierung von GORE-TEX® Schuhen

Pflege und Imprägnierung für Schuhe
Imprägnierung nötig?

Eine häufige Frage ist aber noch offen: was ist mit einer Imprägnierung der Schuhe? Wer aufgepasst hat, weiß bereits: egal, ob die Schuhe imprägniert sind oder nicht – GORE-TEX® Schuhe sind absolut wasserdicht. Die Membran nutzt sich auch bei regelmäßigem Gebrauch nicht ab.

Dennoch sind i.d.R. alle Schuhe zusätzlich mit einer DWR-Imprägnierung (Durable Water Repellent) ausgestattet. Diese wird auf dem Obermaterial aufgebracht und dringt in die Fasern ein. Durch die Behandlung reduziert man die Oberflächenspannung des Oberstoffes, was dazu führt, dass Wasser von der Oberfläche abperlt. Zwar stoppt die Membran alles, was durch die Außenhaut des Schuhs eindringt, dennoch hat eine Imprägnierung einige Vorteile:

  • Große Wassertropfen werden bereits durch die Imprägnierung abgehalten.
  • Nicht nur Wasser, auch darin gelöster oder feuchter Schmutz wird vom Obermaterial besser abgewiesen.
  • Perlt der Großteil des Wassers außen ab, saugen sich die beiden äußeren Schichten nicht voll Wasser – so vermeidet man u.a. eine Gewichtszunahme der Schuhe.
  • Das Außenmaterial ist i.d.R. Teil des Isolationskonzeptes und leistungsfähiger, wenn es weitgehend trocken bleibt.
  • Eine Imprägnierung vermeidet, dass Materialien sich voll Wasser saugen und so ggf. Feuchtigkeit bis in den Schuh transportiert wird. Typisches Beispiel sind etwa Futterstoffe, die über den Schaftrand hinaus ragen.

Auch wenn der Name es nahelegt: eine DWR-Imprägnierung hält nicht ewig. Regelmäßiges Tragen, Abnutzung, Schmutz, Waschmittel uvm. reduzieren die Leistungsfähigkeit der Imprägnierung. Zwar sind GORE-TEX® Schuhe dann weiterhin wasserdicht – die Obermaterialien jedoch saugen sich verstärkt voll.

Die Reaktivierung einer Imprägnierung ist jedoch sehr einfach. Es gibt eine große Auswahl an Imprägniermitteln, die einfach aufgetragen werden können. GORE-TEX® gibt hierbei auch auf Nachfrage keine Empfehlung für einen bestimmten Hersteller. Alle seien sehr ähnlich und vergleichbar – die Technologie jeweils ähnlich leistungsstark. Man weist auch darauf hin, dass die Hinweise “…empfohlen für GORE-TEX®….” nur aussagen, dass der Hersteller des Mittels die Verwendung vorschlägt – nicht aber GORE-TEX® eine Empfehlung ausgesprochen hat.

Nur eine einzige Empfehlung war zu bekommen: auch GORE sieht mehr Vorteile bei aufgesprühten Imprägniermitteln. Im Gegensatz zu Imprägniermitteln, in denen das Kleidungsstück eingelegt werden soll, können diese auf der Außenhaut beschränkt eingesetzt werden. Somit wird weniger vom Mittel eingesetzt, und die Innenseite nicht unnötigerweise mit behandelt.

Aber sonst auch hier: alles einfach und ohne spezielle Hinweise. Spray kaufen, Schuh sauber machen, aufsprühen, und es kann wieder los gehen! Auf dass die Füße immer trocken bleiben…

Lederpflege bei GORE-TEX® Schuhen

Abgesehen von der Imprägnierung ist es gerade bei Lederschuhen wichtig, das Obermaterial richtig zu pflegen. Leder, das stark beansprucht, aber nie entsprechend behandelt wird, kann schnell brüchig oder rissig werden. Wie bereits erwähnt, sollte man im Fall einer GORE-TEX® Membran jedoch nicht zu Fetten oder Ölen greifen, um das Leder wieder geschmeidig zu machen. Besser ist da schon Lederwachs, da dieses zwar das Leder immer schön geschmeidig hält, aber die Poren im Gegensatz zum Fett nicht verstopft. Hier noch ein kleiner Tipp: Lederwachs lässt sich am besten mit nackten Händen auftragen (Einweghandschuhe gehen auch). Der Grund hierfür liegt in der Körperwärme. Diese sorgt nämlich dafür, dass das Wachs ein wenig weicher wird und somit sparsam und gleichmäßig aufgetragen werden kann.

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Bergfreund Sebastian S.

Bergfreund Sebastian S.

Alpinistischer Allesfresser der Sport- und Alpinklettern, Gletscher oder Trekking weltweit am liebsten mit einem Fotoapparat im Anschlag bewerkstelligt.

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